Magazin: Publikationen , 1996

Deutsche Kunstliteratur von der Renaissance bis zur Romantik

Anthologien und Kompilationen haben verschiedene Zielsetzungen und Ausgangsbedingungen. Im besten Falle lösen sie ein Desiderat ein, machen Quellen und Kenntnisse zugänglich, an die heranzukommen bisher schwierig war, füllen eine Lücke. Zuweilen zwingen sie zur Neukonturierung des bekannten Wissens. Was sie leisten sollen, muß genau und im vornhinein festgelegt sein. Die Qualität von Sammlungen und Editionen sind immanent zu beurteilen, weil deren Zustandekommen von einer diskursiven Einrichtung des Materials von Anfang an bestimmt ist. Anders gesagt: die Qualität des Materials, das, wenn man es nicht daran hindert, seine historische Unschuld penetrant bezeugen, sein reines Dasein aufdringlich beweisen möchte, ist nicht durch seine Stofflichkeit bedingt, sondern durch deren Funktionalisierung innerhalb einer formalen, also: theoretisch angeleiteten Montage. An Editionen ist, nicht nur der Kosten wegen, ein deutlicher Maßstab anzulegen: ihre eigene, durch sie selbst aufgebaute Perspektive. Und sonst nichts. Eine Regel mag helfen: Stellen sie ihre Funktion wirklich unter Beweis, dann ist damit auch schon das Arrangement der Stoffe sowie ihr Verhältnis zum Kommentar legitimiert. Und umgekehrt. Leisten sie jedoch keinerlei neue Aufschlüsse, bilden sie bloß Varianten des schon Bekannten, dann wächst der in ihnen verkörperte Mangel im Ausmaß dessen, was für ihr Zustandekommen hat investiert werden müssen.

Trotz einiger Bedenken im einzelnen vermag die vierbändige Sammlung deutscher Kunstschriften von der Renaissance bis zur Romantik – es handelt sich um die erste Hälfte der auf acht Bände festgesetzten ‚Bibliothek der Kunstliteratur‘, deren zweite Hälfte sich mit dem Beginn der akademischen Kunstgeschichte, dem Aufbruch in die Moderne sowie…

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von Hans Ulrich Reck

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