Magazin: Kulturpolitik , 1998

Sigrid Feeser

Die Kulturstiftung der Länder besteht seit zehn Jahren

In Stuttgart zog sie Bilanz

Lustig über die Treppenstufen verstreute Sternchen führten in der Staatsgalerie Stuttgart zu den „Sternstunden“. Unter diesem fast euphorischen Titel feierte die Kulturstiftung der Länder den 10. Jahrestag ihres Bestehens. Die „Sternstunden“ stehen nicht nur für die Qualität von 150 handverlesenen Ausstellungsobjekten ein, sie markieren auch einen der Augenblicke, in denen der deutsche Föderalismus Sinnvolles auf die Beine gestellt hat. Zweck der Stiftung ist die „Förderung und Bewahrung von Kunst und Kultur nationalen Ranges“, seit 1991 unter Einschluß der fünf neuen Länder. Die Ankäufe geschehen im Verbund mit dem Innenministerium, den Landesstiftungen, Unternehmen, Banken und Mäzenen. Von den Ländern kamen zunächst zehn, seit 1994 fünfzehn Millionen pro Jahr, die gleiche Summe gibt der Bund, der nach festgelegten Regeln weitere kulturelle Einrichtungen wie den PEN, die Kurzfilmtage Oberhausen oder den Kunstfonds in Bonn fördert.

Kriegsverluste, das leidige Thema der „Beutekunst“, der schreckliche Aderlaß durch die unselige Aktion „Entartete Kunst“ – das alles mag wohl mitgeholfen haben, die gemeinsame Anstrengung auf den Weg zu bringen. Spektakuläre Abwanderungen von erstrangigen Kulturgütern hatten die Defizite des öffentlichen Kunstgewerbes geradezu dramatisch sichtbar gemacht. Der Verkauf der hochbedeutenden Sammlung illuminierter Handschriften des Großsammlers Peter Ludwig 1983 für hundert Millionen Mark an die kalifornische Getty-Stiftung, der ebenso spektakuläre, fast zeitgleiche Rückerwerb des Evangeliars Heinrich des Löwen durch Hermann Joseph Abs oder die Affäre um Watteaus Berliner „Einschiffung nach Cythera“ sind nur einige prominente Beispiele. Und von der Nationalstiftung, die Willy Brandt 1973 wollte, ist schon lange keine…

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von Sigrid Feeser

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