Kommentar , 1998

Amine Haase

Kein Ausweg nirgendwo

Zum Tode des französischen Philosophen Jean-François Lyotard

Der Kunst fühlte er sich verbunden – wie so mancher Philosoph auf der Suche nach dem, was die „Ästhetik“ seiner Zeit ausmacht. Jean-François Lyotard, der am 21. April mit 73 Jahren gestorben ist, schrieb 1977 über „Les Transformateurs Duchamp“. 1980 nannte er einen Text „La Partie de Peinture“. Er bewunderte Cézanne, referierte über Daniel Buren, Barnett Newman. Und 1985 organisierte er eine Ausstellung im Pariser Centre Pompidou, in der die Auswirkungen der modernen Technologie und der Kunst auf die Wahrnehmung des Menschen gezeigt wurde: „Les Immatériaux“. Das Zeitalter der Information war sein Thema. Mit ihm setzte er sich kritisch auseinander – was ihm, paradoxerweise, gleichzeitig den Ruf eines Traditionalisten und den des „Papstes der Postmoderne“ einbrachte. Lyotard beschrieb und analysierte den Wandel der Zeit von einer materiellen in eine „immaterielle“: nach dem Abschluß der Moderne die Postmoderne. Und das ist das wahre Zeitalter des Pluralismus. In seiner Veröffentlichung über das „postmoderne Wissen“, die er 1979 als „Gelegenheitsarbeit“ vorstellte, legte Lyotard einen „Bericht über das Wissen in den höchst entwickelten Gesellschaften“ vor. Und das, was der Philosoph dort als Erkenntnis zum „Wissen über den Zustand des Wissens“ vermittelte, hätte uns schon vor zwanzig Jahren das Fürchten lehren können.

„Informationsquantitäten“ treten nach Lyotards Meinung in den modernen Industriegesellschaften an die Stelle von Wissen und Erkenntnis, und nur sie sind auch weiterzuverarbeiten. Eine „starke Veräußerlichung des Wissens“ ist das Ergebnis. „Das Wissen … wird für seinen Verkauf geschaffen werden … Es hört auf, sein eigenes…

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