Gespräche mit Philosophen , 2003

Die philosophischen Irrtümer der Kunst

JUSTIN HOFFMANN IM GESPRÄCH MIT ROBERT PFALLER

Beide Bücher, die Robert Pfaller in den letzten Jahren veröffentlichte, „Interpassivität. Studien über delegiertes Genießen“ (2000) und „Die Illusion der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur“ (2002), sorgten für erhebliches Aufsehen. Nicht in dem Sinne, dass sie in den Bestsellerlisten der Fachliteratur aufgetaucht wären, nein, sondern dass seine Theorien Grundannahmen der Gegenwartskultur in Frage stellen und viele ihrer Leser irritierten. Wer sich also mit Robert Pfallers Thesen auseinandersetzt, dem kann leicht passieren, dass er sich schnell selbst mit der Kritik an eigenen Prinzipien konfrontiert sieht. Robert Pfaller lehrt Philosophie an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz.

Justin Hoffmann: Zum ersten Mal hörte ich Ihren Namen im Zusammenhang mit dem von Ihnen herausgegebenen Buch „Interpassivität“. Aus welchem Forschungsinteresse heraus, erlangte für Sie der Begriff der Interpassivität eine besondere Bedeutung?

Robert Pfaller: Die Beschäftigung mit der Interpassivität rührt von meiner Arbeit als Philosoph an einer Kunstuniversität her. Ich lehre Philosophie für Kunstschaffende. Meine Überlegung ist, dass der Beitrag der Philosophie in einem solchen Zusammenhang weniger eine Belehrung über zeitloses Wissen oder grundsätzliche Weisheiten sein soll, sondern mehr eine Art der Intervention an genau jenem Punkt, an dem Kunst selbst Philosophie produziert. Nicht die Kunst wird sozusagen mit Philosophie belästigt, sondern dort, wo die Kunst selbst Philosophie macht, sind Philosophen nötig, um zu sehen, ob die aus der Kunst entstehende, spontane Philosophie der Kunstproduktion nützt oder aber schädlich für sie ist. Und die Philosophie der Interaktivität schien mir aus mehreren Gründen…

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von Justin Hoffmann

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