Titel: Singapur Biennale · von Thomas Wulffen · S. 224
Titel: Singapur Biennale , 2006

Thomas Wulffen

Ein Gebet für die Kunst

Die erste Singapur Biennale

Das Video läuft in einem Haus neben der St. Peter & Paul Kirche in einer Art Kaffee. Auf einem großen LCD Bildschirm ist ein Priester am New Yorker Times Square zu sehen. Er gleicht einem Gospel-Prediger ohne Publikum. Das läuft an ihm vorbei, ohne ihn weiter zu beachten. Was der Betrachter vor der Projektion zu hören bekommt, hat er so noch nicht vernommen: „Wir müssen die Hoffnung stärken, dass die Kunst uns die Fähigkeit bereitstellt, die es uns erlaubt, einen Moment der Klarheit, der Sicherheit, der Wahrheit zu erreichen.“ Es nützt nichts, es bleibt keiner am Time Square stehen, um der Predigt weiter zu lauschen. Und wir sitzen fast allein vor dem Bildschirm. Damit auch kein Zweifel aufkommt, endet die Predigt mit den Worten: „Unsere Gemeinschaft ist stark. Lasst uns zusammen stehen in der künstlerischen Erfahrung und wir werden uns nie allein oder verloren führen, in welcher Ecke der Welt auch immer.“ Es tut gut, so etwas zu hören. Aber können wir diesen Worten Glauben schenken? An diesem Ort, Singapur, zu diesem Anlass, der ersten Biennale von Singapur, bleibt einem nichts anderes übrig, denn das Thema dieser Biennale lautet: ‚Glauben’, auf englisch ‚belief’. Insofern trifft Cristina Lucas mit ihrem Video ‚Mehr Licht’ ins Schwarze. Dass sie dabei die Aussage in der Schwebe hält, zwischen ernsthaftem Anspruch und geistreicher Karikatur, lässt das Video zu einem überzeugenden Beitrag zum Thema werden

Anlässlich der Eröffnung konnte das angesprochene Gemeinschaftsgefühl wieder mal auf die…

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