Titel: Shanghai - Die Erfindung der Zukunft · von Magdalena Kröner · S. 152
Titel: Shanghai - Die Erfindung der Zukunft , 2006

Magdalena Kröner

Yang Zhenzhong

Singularität und Repetition

Yang Zhenzhong, 1968 geboren in Hangzhou, studierte zunächst Modedesign am Zhejiang Institut für Seidentechnologie, wandte sich dann aber der Malerei zu. Nach seinem Studium beschäftigte er sich verstärkt mit Fotografie und Video. Yang Zhenzhong lebt und arbeitet in Shanghai.

Yangs bekannteste Arbeit ist wahrscheinlich sein halbstündiges Video „I will die“, an dem er drei Jahre gearbeitet hat. Yang läßt für diese Arbeit die verschiedensten Leute aus den unterschiedlichsten Ländern den Satz „Ich werde sterben“ in ihrer Landessprache in die Kamera sagen. Im Zusammenspiel aus nüchterner Montur und existentiellem Gehalt des Satzes, der denjenigen, der ihn sagt, in eine beklemmende Situation ambivalenter Selbstrepräsentation zwingt, was zu Reaktionen von Kichern bis zu gravitätischer Schwere führt, liegt die Kraft dieser Arbeit. Jeder einzelne sagt einen Satz von unausweichlicher Wahrheit, der zugleich in seinem Losgelöstsein von jedem Kontext abstrakt und wahr zugleich ist. Die Gleichförmigkeit der Einstellungen und der Montagetechnik unterstreicht den Kontrast zu Bedeutung und Tragweite einer existentiellen Aussage wie „Ich werde sterben“, die jedoch durch die Wiederholung nicht etwa fragwürdig wird. Im Gegenteil werden Einzigartigkeit und Individualität der einzelnen Personen nachhaltig zur Diskussion gestellt, betont die Gleichförmigkeit der Installation doch die jeweilige Verschiedenheit der Einzelnen, und sei es nur für die paar Sekunden, die sie sichtbar werden und sprechen. „I will die“ wurde zuerst gezeigt auf der Ausstellung „Useful Life“, die Yang Zhenzhong gemeinsam mit Xu Zhen und Yang Fudong im Jahr 2000 kuratiert hat.

Im Spannungsfeld von Anonymität und Individualität, Wiederholung und Singulärität bewegt sich auch Yangs Arbeit „Spring…

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