Titel: documenta 12 , 2007

Hito Steyerl

Lovely Andrea

Ein Gespräch von Ursula Maria Probst

Hito Steyerl ist Filmemacherin, Theoretikerin, Publizistin und erarbeitet im Essayformat politische Themen. In ihren Videoinstallationen „Lovely Andrea“ und „Journal No. 1 – An artist’s impression“ (2007) gestaltet Hito Steyerl ein dialektisches Bild, um die prekäre Funktion fotografischer und filmischer Dokumentation zu analysieren und deren Spektakularisierung durch die Massenmedien entgegenzuwirken.

Ursula Maria Probst: Weshalb haben Sie sich für die Arbeit am Film „Lovely Andrea“ nach 20 Jahren wieder auf die Suche nach einer Fotografie begeben, die Sie als Bondage Modell zeigt?

Hito Steyerl: Bondage hatte für mich zunächst die Funktion eines Denkbilds. Auf englisch heißt Bondage ja allgemein Unterwerfung, Knechtschaft, Unfreiheit, Zwang. Ich habe Bondage als eine Art Allegorie solcher Verhältnisse verstanden. Zum zweiten ist dann im Verlauf der Arbeit der alte Kalauer vom „Reich der Sinne“ für mich wichtig geworden. Das Reich der Sinnlichkeit und der Empfindung ist ja nun nicht mehr länger etwas, das wie noch in den 1970er Jahren ungebändigt und irgendwie emanzipativ wirkt. Im Gegenteil sind die Sinne zu einem riesigen Markt geworden, vielleicht sogar zur wichtigsten Kolonie der Gegenwart. Pornografie ist zur Herrschaftstechnik geworden und durchdringt unsere gesamte Wahrnehmung. Vielleicht nehmen die Sinne jetzt die Rolle ein, die früher den Körpern zugeschrieben wurde; sie wurden diszipliniert, ans Fliessband angepasst, produktiviert, gepanzert. Das bedeutet auch, dass Politik sinnlich wird, oder im wörtlichen Sinn ästhetisch.

Welche Rolle spielt der biografische Ausgangspunkt für Ihre Videoinstallation?

Zum Zeitpunkt als das Foto entstand, habe ich in Japan Film studiert und war sehr beeinflusst von meinen sozialkritischen Dokumentarfilmlehrern….

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von Ursula Maria Probst

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