Kommentar · von Heinz Schütz · S. 397
Kommentar , 1992

Heinz Schütz

Der Kunstreporter –

Ein Nachtrag zur Diskussion um München

Feuilleton und Hausverbot

Vor knapp zwei Jahrzehnten, wurde der Großkritiker zum Gegenstand heftiger, von gesellschaftskritischer Emphase durchdrungener Polemik. Ihm wurde vorgeworfen, als Repräsentant des sich idealistisch versteigenden Bildungsbürgertums, die realen Machtverhältnisse zu kaschieren und, selbst ein Produkt autoritätsgläubigen Denkens, autoritäre Strukturen zu reproduzieren. Letztere haben sich zwar längst neokonservativ zementiert, doch abgesehen von einigen raren Exemplaren ist der Typus des Großkritikers inzwischen ausgestorben. An seine Stelle trat – sprechen wir es aus – der Kleinkritiker. Eine neue Spezies, seine markt- und medienbedingte Mutation, zeichnet sich ab: der Kunstreporter. Doch von vorne.

Seit mehreren Monaten beglückt die Süddeutsche Zeitung ihre Leser täglich mit einem eigens auf München bezogenen Kulturteil. Verärgert über die unsachgemäße Berichterstattung, erteilten einige Galeristen den Kunstjournalisten der Süddeutschen Zeitung Hausverbot (s. KUNSTFORUM, Bd. 117, S. 418). Kunstverein und Beck-Forum griffen das Thema mit einer Podiumsdiskussion auf – Teilnehmer: Flatz (Künstler), Helmut Draxler (Kunstvereinsleiter), Bernhard Wittenbrink (Galerist), Naila Kunigk (Galerie Tanit), Dieter Schröder (SZ-Chefredakteur), Arno Makowsky (SZ-Münchner Kultur), Eva Karcher (Kritikerin) und der Autor dieses Artikels. Argument und Analyse gingen in den emotionalen Turbulenzen des Gesprächs unter. Anteil daran hatte nicht zuletzt die zurückhaltende Diskussionsleitung von Helmut Lesch. Möglicherweise sonnte er sich im stillen Glück der Bestätigung, denn zweifellos hinkt die Süddeutsche Zeitung inzwischen dem hinterher, was er einst im Feuilleton der Münchner Boulevardzeitung AZ mit aufgebaut hatte. Rasch, allzu rasch, übergab Lesch das Wort dem drängend vollen Saal und entfesselte damit eine gegen Chefredakteur Schröder gerichtete Woge der Empörung.

Die Auseinandersetzung verdiente nun…

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