Ausstellungen: London , 2005

Edgar Schmitz

Faces in the Crowd

Whitechapel Art Gallery, London, 3.12.2004 – 6.3.2005

Faces in the Crowd’ ist als historischer Abriss der Moderne angelegt. Von Manet über Warhol bis Beuys versammelt die Ausstellung Kernfiguren westlicher Gegenwartskunst, die Modernitätserfahrung als urbane Lebenswelt und Reaktionen auf diese nachzeichnen. Vom Pariser Maskenball über die tragisch-ikonischen Celebrityporträts bis zur zivilisationsskeptischen Performance mit dem Kojoten werden Begegnungen inszeniert, die neue Anonymitätsformen auf bedeutungsvolle Konstellationen hin zu durchbrechen versuchen.

Die Ausstellung schreibt damit eine doppelte Geschichte. Einerseits eine Abbildungsgeschichte, die formale und konzeptuelle Innovationen der letzten 150 Jahre als Reaktionen auf eine neue Erfahrungswelt verzeichnet. Und andererseits eine Geschichte der versuchten Einflussnahme, die in ihren verschiedenen Etappen Geschichte immer auch direkt als zu formendes Material versteht, in das eingegriffen werden kann und muss. Politisch motivierte Dokumentarfotografie steht hier neben den verschiedenen Formen von Agitprop als Vokabular politischer Meinungsbildung, an deren Horizont die Möglichkeit radikaler Veränderung bestehender Lebensumstände aufscheint, auch oder gerade wenn diese hier immer wieder vor allem nostalgisch gebrochen auftritt. Ob individuell oder kollektiv, zwischenmenschlich oder politisch geht es dabei um die Art von Begegnungen, in denen aus der Anonymität grosstädtischer Bild- und Lebensformen neue Bedeutungsmöglichkeiten aufscheinen.

In dieser Doppelung verschleifen sich in der breit angelegten Auswahl heterogener Exponate dokumentarische und interventionistische Arbeiten zu Dokumenten im Bannkreis eines überragenden Phänomens. Und während die angelegt Linie historisch bei Manet ansetzt und mit Thomas Schüttes Januskopf eher illustrativ endet, lässt sich hier doch auch eine kompliziertere Entwicklung nachvollziehen, in der sich die Dimensionen von Publikumsbezug und Geschichtsnähe zunehmend komplexer überschneiden. Carolee Schneeman,…

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von Edgar Schmitz

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