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Essay · von Renate Puvogel · S. 292 - 301
Essay , 1999

RENATE PUVOGEL
Farbe bekennen

PLATTENBAUSANIERUNG IST AUCH EIN ÄSTHETISCHES PROBLEM

Farbe und Architektur haben in nahezu allen historischen Epochen eine selbstverständliche Einheit gebildet‘, so etwa lautet die Behauptung, die Rainer Wick an den Anfang seines Aufsatzes „Farbe und Architektur“ stellt.1. Kann das Ideal einer solchen Einheit auch noch für die gigantischen Plattenbausiedlungen unserer Zeit gelten, kann es als Forderung somit auch in die derzeit erfolgenden großangelegten Renovierungs- und Restaurierungsmaßnahmen einbezogen werden und wie könnte eine architekturgerechte (farbige) Gestaltung der Plattenbauten aussehen? Diesen Fragen soll an Hand der Berliner Großsiedlungen/b Marzahn, Kaulsdorf und Märkisches Viertel nachgegangen und beispielgebend die Entwürfe des Gestalters Hans-Albrecht Schilling herangezogen werden.

Rainer Wick sieht seine These vorwiegend durch repräsentative öffentliche Bauten wie Tempel, Kirchen und Schlösser belegt; sie spiegelten den jeweiligen Zeitgeist, ja sie brachten religiöse, politische und soziale Machtstrukturen nicht nur ästhetisch sondern auch symbolisch zum Ausdruck. Bei den Bauten der riesigen Stadtviertel unserer Tage handelt es sich hingegen um Wohnhäuser durchschnittlicher Bürger, so daß ein Vergleich kaum möglich erscheint. Allerdings fanden sich auch in den Bürgerhäusern vergangener Epochen Merkmale der zum Vorbild genommenen Bauwerke wieder, wodurch eine Stadt ein mehr oder weniger einheitliches Bild annehmen konnte; dies ist sogar heute noch sichtbar. Bekommt man z.B. Fotografien von Häuserzeilen aus einer französischen, italienischen oder griechischen Stadt vorgelegt, so kann man diese allein aus der grauen, ockerfarbenen oder weißen Farbdominanz identifizieren, noch ehe man ihre stilabhängigen plastischen Eigenheiten als Indizien herbeiruft. Zu der Wirkung von architektonischem und bauplastischem Schmuck trug vielfach noch jene des Farbwechsels auf Grund unterschiedlichen Gesteins…


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