Monografie · von Andreas Denk · S. 282
Monografie , 1999

ANDREAS DENK

Provokante Versuchsanordnungen

ZUR ARBEIT VON SIGRID LANGE

Zwei harmlos klingende Grundsätze hat sich Sigrid Lange für ihre künstlerische Arbeit vorgenommen: Jedes „Werk“ soll formal auf einen einzigen Punkt gebracht werden, und jedes Werk soll eine Herausforderung an die Künstlerin selbst und an den Betrachter oder Benutzer sein. Lange hat seit ihrer Studienzeit an der Kunstakademie Düsseldorf den verschiedenen psychosozialen Konnotationen des Wahrnehmens besonderes Augenmerk gewidmet. In den letzten Jahren konzentriert sich die Künstlerin zunehmend auf die Frage nach der Abhängigkeit der visuellen Wahrnehmung – als einem wesentlichen Teil menschlichen Verhaltens – von zeitlichen, örtlichen und sozialen Bedingungen. Dieser Fragestellung geht sie inzwischen konsequent mit ortsspezifischen Arbeiten nach, die so in bestehende Situationen eingreifen, daß sie Wahrnehmungsverhalten verdeutlichen und mitunter verändern. Wie Versuchsanordnungen sind diese Interventionen von unterschiedlicher, befristeter Dauer, immer aber so eindringlich, um mit der von der Künstlerin gewollten „Emotionalisierung“ Besucher zu Experimentatoren und Probanden gleichzeitig werden zu lassen. Der Orts- und Projektbezug der Arbeiten verhindert indes jegliche Stilbildung: Das Charakteristische des Werks von Sigrid Lange besteht in einigen grundsätzlichen „Untersuchungsschwerpunkten“, mehrfach wiederkehrenden Motiven und insbesondere in ihrer Methodik, die mit dem Stilmittel der Provokation „interaktive“ Stolpersteine auslegt.

Haarkuchen und Bohrlöcher

Vor ihren Installationsarbeiten hat Sigrid Lange einen eher traditionellen skulpturalen Pfad beschritten, der jedoch in einer gewissen Weise signifikant ihr Interesse an visuellen Kommunikationsvorgängen offenbart: Ihre Stahl-, Draht- und Holzskulpturen der zweiten Hälfte der achtziger Jahre arbeiten mit dem archetypischen Formenkanon der Postmoderne, den die Künstlerin einsetzt, um zeichenhafte Formen zu bilden. Die Idee einer Kommunikation auf semiotischer Ebene muß der…

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