Ausstellungen: Hamburg , 2006

Rainer Unruh

Franz Radziwill

»Vom Expressionismus zum Magischen Realismus«
Ernst Barlach Haus, Hamburg, 28.5. – 10.9.2006

Später, als er zu malen gelernt hatte wie die alten Meister, wollte er von seinem Frühwerk nichts mehr wissen Und doch waren es just seine von ihm im Nachhinein als „verworfene Schwächen“ gerügten expressionistischen Bilder, die dem Autodidakten Franz Radziwill (1895-1983) erste Anerkennung in der Kunstwelt verschafften. Im Herbst 1920 hatte der gelernte Maurer Arbeiten zu einer Ausstellung der „Freien Sezession“ eingesandt, die in der Berliner Galerie von Paul Cassirer stattfinden sollte. Die „Sezessionisten“ Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein waren von dem Talent aus der norddeutschen Provinz so begeistert, dass sie den damals erst 25-Jährigen einluden, ihrer Künstlervereinigung beizutreten. Wichtige Zeitschriften lobten den jungen Maler, und der Hamburger Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer schrieb in dem von ihm herausgegeben Periodikum „Kündung“ über Radziwills frühe Werke: „Die Dinge waren in die Farbe eingeschmolzen, empfingen das Maß ihres Seins aus dem Kraftspiel der reinen Farben.“

Drei dieser Bilder, alle aus den Jahren 1919/20, eröffnen die Ausstellung im Ernst Barlach Haus, und vor allem im ersten, „Russischer Prophet und Frau“, ist die Sprengkraft der Farben so groß, dass die hintere Wand des Zimmers aufbricht und die Natur in den Raum zu fluten scheint und sich mit dem Flammenhaar der Frau vermählt. Das Motiv, die warmen Farbtöne, der im Vergleich zu anderen Expressionisten eher heitere und verspielte Umgang mit dem gewählten Thema, all das erinnert zunächst stärker an Chagall als an den Radziwill, den man kennt, nämlich den Magier…

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