Ausstellungen: London , 2013

Edgar Schmitz

Gerard Byrne

»A state of neutral pleasure«

Whitechapel Gallery, London, 17.1. – 8.3.2013

Byrnes Fotos von Zeitungskiosken sind so etwas wie eine Bedienungsanleitung für die Arbeit: Objekte verweisen auf bestimmte Zeiten, gehören zu ihnen und erstellen dabei fast als Nebenprodukt ein optisches Inventar, das sie vorführen und dem sie selbst angehören. Gegenwärtigkeit ist für diese Situationen Haupteinsatz und gleichzeitig genau der uneinholbare Horizont, der sich natürlich unweigerlich immer weiter entzieht, je mehr sich das Material ihm anzunähern scheint. Und genau das wird, in all seiner offensichtlichen Immanenz, dann hier sozusagen als Index auf die Fragestellungen der Arbeit vorgeführt, und hinsichtlich der Frage des Fotografischen vermittelt – in einer bestimmten Art schwarz-weißer Fotografie, die gerade noch ausdrücklich genug auf ihr Verhältnis zu Konventionen des Dokumentarischen verweist; als Reihe, die verschiedene dieser Nicht-Verortungen aneinander bindet.

Nicht nur das Verhältnis von Situation und Anspruch und Foto wird hier profiliert, sondern auch, wie sich dieses Gefüge von der Ausstellungssituation aus einsehen lassen könnte – auch dieses Verhältnis ist natürlich nie stabil, insofern das historische Material, das auf Aktualität verweist, ohne sie je einholen zu können, sich in der Statik seines Materials von der sich weiter entwickelnden Gegenwart immer weiter zurückzieht. Wenn Byrne die Fotos mit dem zeitlichen Abstand zwischen Aufnahme- und Ausstellungsmoment betitelt, klagt das direkten Zeitbezug ebenso ein, wie es ihn aufgibt.

In den größeren Arbeiten, für die er vor allem bekannt ist, verarbeitet Byrne historisches Material zu Versatzstücken und Produktionskomponenten einer spröden Theatralik, die sich vor allem gegen Kategorien des Dokumentarischen profiliert. (Wenn Byrne den Baum…

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