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Ausstellungen: Frankfurt a.M. · S. 333 - 333
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1990

Sigrid Feeser
Gereon Lepper

Galerie Luis Campaña, 18.12.1989 – 25.1.1990

Schmal, so scheint es, ist der Spalt, der die Kunst von der Wirklichkeit trennt. Auf ihrem langen Weg durch die Geschichte sind der Skulptur verpflichtende Merkmale längst abhanden gekommen. Alle Verbindlichkeiten entfallen; was zählt, ist der eine Augenblick, der sich als notwendiger in der unendlichen Flucht der Erscheinungen zu behaupten weiß.

Der Düsseldorfer Gereon Lepper, 1956 in Ratingen geboren, bei Beate Schiff und Klaus Rinke ausgebildet, setzt Dinge in den Raum, die ihre technoide Herkunft an keiner Stelle verleugnen. Das Spektakel, das sie veranstalten, zielt auf Überraschung, aufs witzige Apercu, auf dralle Gegenwart. Nichts leichter, als von der Idee des an ästhetische Kreisläufe angeschlossenen Maschinenparks nicht fasziniert zu sein!

Leppers Skulpturen sind halb physikalische Demonstration, halb sinnlich plausibel gemachte Erfahrung. Das wäre nichts Neues, hätte Lepper sich nicht die Vorstellung einer gleichsam naturwüchsigen Herkunft alles Technischen zu eigen gemacht. „Pool Party“ war eine bereits mehrfach ausgestellte Versammlung niedriger, kreisförmiger Wasserbecken überschrieben, aus denen sich, immer schön zeitversetzt, leuchtend blaue Gummimembranen blähten, prall rundeten, erhoben.

Was an diesem die aktuelle Form unmittelbar mit der aufgewendeten Energie in Einklang setzenden mechanischen Theater am meisten verblüffte, war seine Resistenz gegen jede begriffliche Absicherung. Leppers Arbeiten lassen, strenggenommen, keinen Rest, der jenseits ihrer optisch rezipierbaren Gegenwart läge. In der Vergegenständlichung von Bewegung und Ruhe, von Einatmen und Ausatmen behauptet sich die Technik als die Vision einer anderen Natur, freilich ohne mystischen Rest.

Die bei Luis Campaña in Frankfurt ausgestellte Skulptur „Warmzeit“ überraschte zunächst durch ihre aggressive Ausstrahlung. Achtzehn Stahlkästen, alle…


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