Ausstellungen: München , 1999

Justin Hoffmann

Günther Selichar

»Screens, cold«

Galerie Karin Sachs, München, 11.9. – 16.10.1999

Der Umgang mit dem Bildschirm gleicht einer Verdrängung. Entweder es wird sein Äußeres vollkommen negiert, nur das von ihm evozierte Bild betrachtet und dabei so getan, als wenn die virtuelle Erscheinung kein Gehäuse, keine materielle Seite bräuchte. Oder man folgt der Mode des Beamen und verzichtet auf den unbequemen Zeitgenossen, selbst wenn die Betrachter, für die diese Darstellungsform so vorteilhaft sein soll, oft kleine Schriften nicht mehr lesen können und Videosequenzen in Unschärfe und Pixel versinken. In den 80er Jahren dagegen hatte man die gedrungene Gestalt des Monitors noch fest im Kopf, aber nur um sie in Form einer komplizierten Kaschierung unter dem Etikett Videoskulptur zu verbergen.

Der in Wien lebende Künstler Günther Selichar sieht das ganz anders. Er stellt sich der besonderen Herausforderung, der unscheinbaren, subtilen Eleganz des Monitors. Dessen Kennzeichen sind die heiteren runden Ecken, so als wenn er für immer ein Zeugnis für die Bedeutung des Designs der 60er und 70er Jahre ablegen wollte. Hinzukommt seine markante Nüchternheit und unfarbige Farbigkeit. So unterschiedlich und vielfältig hätten die Designer Monitore entwerfen können. Doch sie begnügten sich mit der einmal festgelegten Struktur. Erst vor kurzem wagte Apple ein neues Outfit und verfiel – wie so häufig in dieser Technologiebranche – dem Paradox eines Retro-Futurismus.

Selichar stellt in der Galerie Karin Sachs drei seiner großformatigen „Screens“ aus. Die Abzüge zeigen die Bildschirme um das vielfache vergrößert. Dadurch geraten die Fotos in die Nähe von abstrakten Gemälden. Frontal fotografiert erscheinen die Gehäuse wie Rahmen,…

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von Justin Hoffmann

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