Ausstellungen: Solingen , 1992

Andreas Denk

Hans-Georg Inhestern

Deutsches Klingenmuseum und Städtische Galerie, Solingen, 23.11. – 29.12.1991

Kunst, in der Provinz gezeigt, muß gelegentlich merkwürdige Wege gehen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Arbeiten Hans-Georg Inhesterns in Solingen beispielsweise machen sich dem Publikum schmackhaft durch eine nahezu warenhaus-dichte Präsentation und einen witzig fotografierten Katalog, in den Seiten des „Post-Shop“-Hefts des Otto-Versandes eingebunden sind. Doch von der ironischen Inszenierung der Objekte auch auf deren unmittelbare Konsumierbarkeit zu schließen, wäre zu kurz gegriffen.

Inhestern, dem die Düsseldorfer Galerie Gaby Kraushaar auf der letzten Art Cologne noch eine Förderkoje einrichtete, zeigt Objekte, deren gemeinsamer Nenner nicht nur das immer verwendete Drahtglas ist. Eine Reihe von zumeist größerformatigen Arbeiten zeigt auf dieses Material aufgetragene, mit Eisengestellen oder Holzpaletten unterlegte Gruppen- und Brustportraits von zumeist schwarzen Eingeborenen, wie einer Gruppe von „Feld-Herero-Frauen“ (1991) oder drei Kriegern der „Mandari“ (1991). Eine Serie kleinerer Arbeiten besteht aus Drahtglasscheiben mit farbigen Aufschriften. Ein Dachlattenquadrat mit einer Drahtglasscheibe darüber trägt den dick aufgetragenen Titel „Kunst über Kunst“ (1991) oder ein metallgefaßtes Stück Glas, das den Blick auf die Wand dahinter eröffnet, die in den Lettern einer bekannten Boulevardzeitung gesetzte Aufschrift „Bild“ (1991).

Die letzte, in Solingen dominante und für die derzeitige Produktion Inhesterns wohl typische Werkgruppe besteht aus Alltagsgegenständen, zumeist Fundstücken, die der gebürtige Aachener in passende Kästen aus Drahtglas gesetzt hat. Die Arbeit „Hauklotz mit Drahtglasgefäß“ (1991) umfaßt nichts anderes, als der Titel benennt. Die „MLM-Grundtypen“ (ebenfalls 1991) sind drei Kernseifenstücke mit den Einprägungen „Mao“, „Lenin“ und „Marx“ mit drei passenden Glaskistchen auf einem Metallregal.

Diese Objekte stehen…

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