Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1984

Himmelreich auf zwei Etagen

Imi Knoebels jüngste Installation in der Galerie Schoof, Frankfurt

Imi Knoebel hat einen deutlichen Hang zum Gesamtkunstwerk. Er verwirklicht ihn und stellt ihn in Frage.

Das zeigt seine neueste Arbeit „Eigentum Himmelreich“. Sie zielt darauf, den Besucher ganz für sich einzunehmen. Der Ausstellungsraum dient nicht (allein) als Präsentationsrahmen, sondern ist fester Bestandteil der Arbeit. Er ist als Kunst gekennzeichnet: Die Aufhebung seines eigentlichen Zwecks wird etwa dadurch gekennzeichnet, daß Knoebel die Stoßleisten und Schutzhölzer der Fensterlaibungen abbeizt oder als einzige künstliche Beleuchtungsquelle eine nackte Glühbirne hängen läßt – auch sie ein Hinweis auf die geänderte Funktion des Raumes. Denn das Licht, das diese Birne abzustrahlen vermag, widerspricht aller Ausstellungspraxis; es ist nicht das möglichst gleichmäßige, (meist) helle Licht von Galerien und Museen, sondern eher das Schummern einer Funzel. (Übrigens liegt deswegen die Ausstellung nicht im Halbdunkel; das Licht der Birne wird ergänzt durch das im Winter und im Hinterhof oft kümmerliche Tageslicht). In diesen und mit diesem Raum baut Imi Knoebel seine Objekte und Installationen.

Soweit sein Hang zum Gesamtkunstwerk, seine Neigung, die Distanz zum einzelnen Bild oder Objekt aufzuheben: Wer den Raum betritt, hat bereits allen Abstand verloren und steckt mitten drin in Knoebels Kunst. Gleichzeitig bleibt alles beim Alten, übernimmt der umgenutzte Raum wieder seine schlicht museale Funktion. In verzinkten Eisenrahmen präsentiert Knoebel seine Menninge-Malereien – einfache, aus dem direkten Farbauftrag entwickelte Flächenkompositionen. Das traditionelle System ist wieder her- und doch in Frage gestellt: Die Galerie wird wieder zum Umraum für die Beziehung „Betrachter-Bild“ und doch ist sie…

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