Monografie · von Marie Luise Syring · S. 152
Monografie , 1984

Sprache und Transgression
François Rouan

von Marie Luise Syring

François Rouan hat sich selten manifestiert. Er ist bis heute wenigen bekannt. Seit 1970 hat er nicht mehr als insgesamt acht Einzelausstellungen gehabt. Seine Werke erscheinen nie auf dem internationalen Kunstmarkt. Er arbeitet, für unsere heutige Zeit zumindest, extrem langsam, vollendet vielleicht vier bis sechs Bilder in einem Jahr, eine Serie von Zeichnungen vielleicht noch parallel dazu. Den Massenproduktionen der Bad Painting und der Graffitisten kann er damit keine Konkurrenz machen.

Seine Technik stellt höchste handwerkliche Anforderungen. Seine Malweise ist schwierig, hochentwickelt, reich im Detail. Der Farbauftrag ist eigentümlich opak, mehr aufgetragen als gemalt und wie zu einem Farbkörper aufgeschichtet, die Farbgebung ist präziös, hat etwas von der Kostbarkeit spätgotischer Malerei und von der warmen Sinnlichkeit venezianischer Tafelbilder. Damit wird natürlich nicht allein dem Objekt, sondern auch dem in ihm vergegenwärtigten Inhalt ein besonderer Wert beigemessen. So gerät diese Malerei in einen direkten Gegensatz zu allen Tendenzen, in denen sowohl Wert als auch Inhalt von Kunstobjekten in der Regel möglichst verleugnet wurden, um sie vor den Mechanismen einer auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft zu bewahren.

Aber der Inhalt erschließt sich auch hier nicht sogleich auf Anhieb. Im Gegenteil. Auf den ersten Blick bestehen seine Bilder aus zusammenhanglosen Zeichen und Motiven, die sich in einem ununterbrochenen, gleichmäßigen Rhythmus überlagern und umschlingen, wiederholen und spiegeln. Strukturen, Arabesken, Farbschlieren überziehen die gesamte Bildfläche wie mit einem ornamentalen Netz, in welchem nur fragmenthaft und wie in Schüben gelegentlich Figuren sichtbar werden. Ein logischer „Text“ wird offenbar vermieden, die Aussage bleibt…

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