Ausstellungen: Essen , 1984

Kunststoffobjekte 1860-1960

Das Museum Folkwang in Essen zeigt bis zum 1.4.’84 eine Ausstellung von ca. 500 Objekten aus frühen Kunststoffen. Die Objekte stammen aus der Privatsammlung des Architektenehepaares Ursula und Hans Ulrich Kölsch, Essen. Die Ausstellung wird im Anschluß im Kunstgewerbemuseum Zürich zu sehen sein. Diese Ausstellung bildet in vielerlei Hinsicht eine nicht nur reizvolle, sondern wichtige Ergänzung zu den für das Frühjahr ’84 geplanten Ausstellungen „Westimpuls“ in sechs Städten des Ruhrgebietes und des Rheinlandes. Wenn dort nach den in Geräten, Gebrauchsgegenständen, in Architektur und gebauter Umwelt und in der Kunst Gestalt gewordenen Kulturleistungen im Kaiserreich gefragt wird und ihre impulsgebenden Funktionen für weitere Entwicklungen zur Darstellung gebracht werden sollen, so wird in den Exponaten der Sammlung Kölsch eine andere Seite der in Objekten geronnenen industriellen Produkt-Kultur sichtbar, die bis in die jüngste Vergangenheit von den relevanten Institutionen und Verbänden – Kunstgewerbemuseen, Designsammlungen, dem Deutschen Werkbund, dem Rat für Formgebung etc. – weitgehend befremdlich, ja unwert erschienen waren. Dies ist solange verständlich, als Materialgerechtigkeit, Werkgerechtigkeit und Funktionsgerechtigkeit als Maßstäbe galten. Solche Maßstäbe sind aber gegenüber einem Material, einem „Kunst-Stoff“ nicht, oder allenfalls begrenzt durch technologische und konstruktive Bedingungen, anwendbar; einem Material, dessen Charakteristik in seiner künstlichen, nämlich chemischen und thermodynamischen Variabilität und Flexibilität liegt, einem Material, das von sich aus also „charakterlos“ erscheint. Es stellt neue Ansprüche an den Gestalter. Die „kulturellen Veredelungsabsichten“ mußten mit ihrer, damit verbundenen Moral also an diesem Material-Chamäleon scheitern. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn trotz der schier unübersehbaren Menge und Vielfalt der Kunststoffprodukte- und Objekte,…

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