Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 268
Gespräche mit Künstlern , 1996

Claes Oldenburg:

»Hinter meinen Bemühungen steht der Wunsch, auszutesten, wann etwas anfängt, Kunst zu sein«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks anlässlich der Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle, 25.2. – 12.5.1996

Bonn, im März. Auf Irritation aus, suchen Claes Oldenburgs Skulpturen gleichwohl die große, von Bonn allerdings unterschlagene Wirkung. Wider Erwarten trist, fast gelangweilt, geradezu lustlos und indifferent ist der dortige Blick auf seine „Anthologie“. Wie heiter-irritierend, geistreich, aktuell, ja zwingend wirkte er dagegen in Washingtons National Gallery, von wo die Ausstellung nach New York ins Guggenheim Museum weiterzog.

In der Bundeskunsthalle dagegen, wo mehr als zweihundert Werke aus immerhin vierzig Jahren, darunter Modelle, Zeichnungen sowie Objekte, eingeflogen worden sind, nimmt man Claes Oldenburg lediglich zur Kenntnis, als enthalte seine Kunst nichts, was heute noch begeistert. Dem Besucher der Schau, die eine Erwartung aufbaut, wird abverlangt, von müder, wenn nicht gar fehlender Inszenierung abzusehen, damit sich etwas von der bis zum heutigen Tage widerspenstigen Aura erkennen läßt. Es scheint, als sei da nur von Interesse, so trocken wie unengagiert über „Pop-art“ à la Oldenburg zu informieren. So unterrichten Filme über Aktionen aus den Sechzigern, während die auf den Einfluß von Dubuffet und de Kooning verweisenden Relikte von Environments und Happenings fehlen. Ohne eine Idee zu entwickeln, wie die große Halle aufzuteilen ist, damit sich darin das Werk als immer noch gültig behauptet, haben die Aussteller Skulpturen so wahl- wie lieb-, gar gefühl- und beziehungslos zusammengepfercht, daß beinah die gesamte Sinnlichkeit in leeren Zwischenräumen verpufft. Der Zauber der Metamorphosen von Dreidimensionalem ist dahin, der Geist subversiven…

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