Ausstellungen: Zürich · S. 318
Ausstellungen: Zürich , 1988

Christoph Schenker

Ian Anüll

Galerie Brigitte Rosenberg, 21.11. – 24. 12.1987

Die Arbeiten von IAN ANÜLL (geb. 1949, lebt in Genf und Zürich) sind, denke ich, unter anderem ein poetisch-aufklärerisches Manifest für die Reinheit der Kunst – »Reinheit« nun aber nicht im bloß formalen oder im moralischen Sinn verstanden, sondern in Hinsicht auf den ideellen, erkenntnisgenerierenden Kern von Kunst: die zeugende Kraft des Kunstwerks, die schwindet, je mehr es sich gesellschaftlich verfestigt, bis es schließlich nur noch Devise ist in der Finanzpolitik.

Bilder und Statuen sogenannt primitiver Völker haben ihre ganz bestimmte Funktion im religiösen bzw. sozialen Kontext, und es ist eben dieser Kontext, der jenen Gegenständen Bedeutung und Sinn verleiht. Die Kunst des sogenannten zivilisierten Okzidents suchte im Streben nach absoluter Autonomie über Jahrhunderte immer wieder und nach und nach sich von allem Außerkünstlerischen zu entbinden. In ähnlicher Weise, wie wissenschaftliche Bemühungen um Erkenntnisse nicht interesselos sind, folglich in der Wissenschaft nur dasjenige als Wahrheit gelten kann, was die wirtschaftliche Macht wahrhaben will, in ähnlicher Weise ist auch die Kunst, obwohl sie sich aus dem religiösen Kontext und von direkt gesellschaftlicher Verbindlichkeit befreit hat, ganz präzise im Strategienfeld der Geldwirtschaft eingebettet – nun um so mehr, möchte man meinen. Die einzelnen Kunstwerke fungieren hierin als nichts anderes denn als Aktien und Aktienpakete, mit denen spekuliert und gehandelt wird (vgl. die Saatchi Collection, Russische Kunst im Westen u.a.). Mithin hat sich die gesellschaftliche Funktion dieser Dinge da, die man Kunst zu nennen pflegt, verlagert, im gleichen Maße, wie sich die Gesellschaftsform verändert hat. Von…

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