Titel: Kunst und Geld · von Heinz-Norbert Jocks · S. 158
Titel: Kunst und Geld , 2000

JÖRG IMMENDORFF:

»Ich will Bernstein«

EIN GESPRÄCH VON HEINZ-NORBERT JOCKS

Jörg Immendorff, 1945 in Bleckede geboren, Maler von Café Deutschland, demonstrierte 1970 mit der Mietersolidarität vor dem Düsseldorfer Schauspielhaus, saß mit Felix Droese im Vietnam-Komitee, sympathisierte mit der KPD und der Liga gegen den Imperialismus. Zwar hat er sich von den bewegten Unruhejahren längst verabschiedet, aber der Drang, sich einzumischen, wenn es ihm nicht passt, ist geblieben. Über sein Verhältnis zum Geld und zur Geldkritik unterhielt sich mit ihm Heinz-Norbert Jocks.

*

Heinz-Norbert Jocks: War, als Sie mit Ihrer Kunst anfingen, Geld ein Thema?

Jörg Immendorff: So, wie Sie mich befragen, klingt das, als erwarteten Sie von mir eine Art Soziologe oder Philosophie des Geldes. Dabei gehe ich doch von einem künstlerischen Ansatz aus. Was meine frühe, auch politische Periode so interessant machte, war, dass man einerseits eine treibende Kraft war und dass andererseits etwas mit einem gemacht wurde. Verstehen Sie? Das Geld spielte, wie für jeden nur in Bezug auf den Lebensunterhalt, für den man zu sorgen hatte, eine gewisse Rolle. Man kann sich, wie Sie es mit Ihrer Frage nahe legen, leicht über große kapitale Dimensionen Gedanken auf politischer Ebene machen. Beispielsweise über Umverteilung, aber seltsamerweise war das nur ein Nebenaspekt meines politischen Engagements. Ich hatte einfach nicht die klischeehafte Aversion gegen Bonzen und Kapitalisten, nur weil die Nobelkarossen fuhren, während ich mit meinem Mofa durch die Gegend düste. Mein Weg hin zu einem verstärkten politischen Engagement, das ideeller Natur war, entsprang dem Gefühl, dass in der Gesellschaft etwas fehlte. Klar malte…

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