Ausstellungen: Wien · von Ursula Maria Probst · S. 363
Ausstellungen: Wien , 2006

Ursula Maria Probst

Isa Genzken

»Der Terror der Dinge«

Wiener Secession, 6.7. – 10.9.2006

Laut Benjamin Buchloh ist die Positionierung zwischen zwei einander ausschließenden diskursiven Konventionen von jeher ein Motivationsprinzip von Isa Genzkens Skulpturen wodurch das Idiom einer Chaos-Skulptur, wie sie heute vor allem von Thomas Hirschhorn praktiziert wird, vorweggenommen wurde. In den vergangenen 30 Jahren hat Isa Genzken ihre skulpturale Methode geschärft und den Aktionsradius in ihren aktuellen Installationen erneut ausgedehnt. Das Spannungsverhältnis zwischen künstlerischer Autonomie und öffentlicher sowie ökonomischer Determination zieht seine Kreise. Im Hauptraum der Wiener Secession wird durch präzise formale Entscheidungen und ein konsequentes Konzept ein Spektrum uneingeschränkter Freiheit erreicht.

Isa Genzken selbst hat das „Gewagte“ und „Ungesicherte“ in ihren Arbeiten wiederholt hervorgehoben und den Hang zum skulpturalen Risiko als einen integralen Bestandteil ihres Werkes konzipiert. Kommentare zur modernen und zeitgenössischen Architektur hat sie mit „Fuck the Bauhaus“ und „New Buildings for Berlin“ bereits mehrmals abgegeben. Im vom grellen Licht durchfluteten White Cube der Wiener Secession trifft man erstmals auf Motive wie Rollstühle und Krücken, nachdem bereits in „Empire/Vampire“ durch kriegerische Szenen mit Spielzeugfiguren das Trauma von 9/11 nachwirkte. Die erneute weltweite Zunahme von kriegerischen und terroristischen Handlungen bildet den Auslöser für ihre Installation in der Wiener Secession. Doch diesmal bleibt das Werk ohne Titel, spannt keine semantischen Brücken. Auf den Sockel – im „Amerikanischen Raum“ in ihrer Personale in der Galerie im Taxispalais in Innsbruck ein zentrales Moment – wird verzichtet.

Für das Desaster dieser Welt inszeniert Isa Genzken im Hauptraum der Secession eine eigenwillige Darstellung der momentanen Situation. Kleinkindpuppen rekeln…

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