Ausstellungen: Humlebaek · von Dieter Buchhart · S. 397
Ausstellungen: Humlebaek , 2006

Dieter Buchhart

Janet Cardiff & George Bures Miller

»Das Kunstwerk als simulierte parallele Wirklichkeit«

Louisiana Museum for Moderne Kunst, Humlebæk,23.6. – 17.9.2006

Auf der Suche nach neuen Hörerfahrungen musste John Cage in einem schalldichten Raum in Cambridge einmal überrascht feststellen, dass er weiterhin Geräusche vernahm: „Ich hörte, dass Schweigen, dass Stille nicht die Abwesenheit von Geräuschen war, sondern das absichtslose Funktionieren meines Nervensystems und meines Blutkreislaufes. Ich entdeckte, dass die Stille nicht akustisch ist. Es ist eine Bewusstseinsveränderung, eine Wandlung. Dem habe ich meine Musik gewidmet. Meine Arbeit wurde zu einer Erkundung des Absichtslosen.“ Denn Geräusche sind überall um uns herum und in uns. Eine absolute Stille würde unseren eigenen Tod voraussetzen.

Mit der Wahrnehmung von Geräuschen setzen sich auch Janet Cardiff und George Bures Miller in ihren audiovisuellen Installationen auseinander, wobei sie keineswegs das Absichtslose erkunden, sondern vielmehr das Absichtsvolle inszenieren. Dabei sucht das Künstlerpaar, die BesucherInnen auf eine Reise zu schicken, bei der sie für ein paar Minuten in eine andere Wirklichkeit eintreten. Die binaurale Aufnahmetechnik, die einen ausgesprochen wirklichkeitsnahen, dreidimensionalen Sound ermöglicht, basiert auf einem Aufnahmeverfahren, das eine genaue Kopfnachbildung mittels eines „Kunstkopfes“ benutzt, in dessen Gehörgänge zwei Kondensator-Studiomikrofone mit Kugelcharakteristik eingesetzt werden, wodurch die so genannte „Head Related Transfer Function“ nachgebildet wird. So wird den ZuschauerInnen in „The Muriel Lake Incident“ (1999) der Eindruck vermittelt, dass in einem Kino dicht hinter ihnen eine Popkorn essende Frau ihnen ins Ohr flüstert, während in dem miniaturhaft nachgebildeten Kino ein Film zwischen Western und Thriller Genre läuft. Die aufdringliche Stimme erzählt ihre Gedanken und…

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