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Ausstellungen: Karlsruhe/Saarbrücken · von Johannes Meinhardt · S. 364 - 364
Ausstellungen: Karlsruhe/Saarbrücken , 1992

Johannes Meinhardt
Jean Le Gac

Der Phantom-Maler
Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 31.1. – 22.3.1992

Stadtgalerie Saarbrücken, 8.5. – 21.6.1992

Der Zeichenlehrer schläft; im Schlafe aber träumt er sich als Maler, wird er heimgesucht von kindlichen und naiven Vorstellungen von einer heroischen, bedeutungs- und lustvollen Ausübung der Malerei; im Schlafe steigen die trivialen und konventionellen Bilder wieder auf, mit denen sich ihm in seiner Kindheit das Bild Des Malers eingeprägt hatte. Für das Kind, das, 1936 geboren, in einem armen Bergbaugebiet des nördlichen Frankreich aufwuchs, ist Der Maler eine verführerische Figur: geheimnisvoll, gutgekleidet, unverständlich. „In meiner Kindheit sah ich den Maler. Es war ein Herr, der etwas Ordentliches, nicht Anstrengendes machte, und seine Kleider und seine Haltung strahlten eine gewisse Eleganz aus, einen Hauch von Müßiggang und Luxus; es war ein Sonntagsmaler.“ Das Kind beschließt, ein großer Maler zu werden; was es aber wird, ist ein Zeichenlehrer, der eine Zeichenlehrerin heiratet. Dem Zeichenlehrer wird 1968 endgültig klar, daß er der Maler, von dem er träumte, nicht mehr werden kann: Es gibt den Maler nicht mehr als den Heros einer naiven und abenteuerlichen Geschichte (und sei es selbst die Kunstgeschichte, die in Picasso ihren letzten großen Abenteurer besaß). Seitdem erforscht der Zeichenlehrer seinen Wunsch, Maler zu werden; er beutet in den 70ern das Klischee vom großen Maler ironisch, melancholisch und destruktiv aus; und er kopiert in den 80ern die naiven Bilder seiner Jugend, die Buchumschläge und Illustrationen der trivialen Kriminal- und Abenteuerromane der 30er und 40er Jahre.

Jean Le Gac produziert das fiktive Leben Des Malers in…



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von Johannes Meinhardt

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