Ausstellungen: Köln , 1986

Annelie Pohlen

Jenny Holzer

Galerie Monika Sprüth, Köln, bis Ende Mai 86

»Entfremdung gebiert Exzentriker und Revolutionäre«, lautet einer der zentralen Sätze im Werk der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer.

Es liegt nahe, in der Auseinandersetzung mit ihrem Werk bei den Texten zu beginnen. Was dann die Frage nach der »Spartenzugehörigkeit« – mithin bildende Kunst oder Literatur – aufzwingt, beleuchtet immerhin die Basis eines Werkes, welches auf den verschiedenen inzwischen experimentierten Vermittlungswegen vor allem den Absprung in den unverbindlichen Disput über den Gebrauch der technologischen Instrumente verhindert. Ist es doch gerade die vermeintliche Banalität der zumeist knappen Sätze/Statements von Jenny Holzer, welche dem Einsatz der Bild-Mittel, jenen doch im Prinzip ebenso banalen Instrumenten wie Plakaten, Werbeflächen, Büchern, Laufschriftbändern und Skulpturen – die Qualität hinterhältig-hintergründiger Waffen zum Aufbruch in den Raum kreativen, revolutionären Zweifelns verleiht. Die formale Qualität der Sätze/Sprache entspricht dem eindringlich knappen Styling der öffentlichen Information in Sachen Werbung und Polit-Vermittlung. In den Inhalten aber verschmelzen die vermeintlichen Weisheiten der Wirklichkeitsbewältiger und -manipulateure aus der Welt des status quo mit den bislang ohnmächtigen Erkenntnissen der Zweifler und Bedrängten (Minderheiten) zu einem poetischen Gift, das die Hirne besetzt. In der jüngsten Arbeit »Under a rock series« erscheint der Text – auf genannten Bänken eingraviert und gleichzeitig auf rotgrünen Laufschriftbändern ablaufend – geprägt vom Charakter eines erzählerischen Berichtes über schon abgelaufene (oder erst noch stattfindende?) Ereignisse »Nothing will stop you when silence breaks the ears of dead people«. Die Steigerung des möglichen Endes bis zur physischen Unmöglichkeit in diesem Satz ist zweifellos eine der schneidendsten verbalen…

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