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Ausstellungen: Aarau · S. 405 - 406
Ausstellungen: Aarau , 1990

Paolo Bianchi
Karl Ballmer

Aargauer Kunsthaus, 27.5. – 12.8.1990

Als Karl Ballmer 1938, aus Nazi-Deutschland (Hamburg) kommend, in die Schweiz einreist, ist die Rückkehr eher Emigration denn Heimkehr (Ballmer selbst spricht von „Rückwanderung“). Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Katharina van Cleef baut er sich 1941 in Lamone im Tessin ein „Häuschen mit Atelier“, wo er bis zum Tode (Leberkrebs) im Jahre 1958 leben wird. Während dieser Zeit in der Schweiz publiziert er viel und verwickelt sich in Tagesfehden mit Pfarrern, Politikern, Biologen, Philosophen und Journalisten. Als Maler ist er, so vor Jahren der verstorbene Aarauer Museumsmann Heiny Widmer, „ein Schweizer in der Schweiz unter Schweizern“. Mit anderen Worten: Er wird nicht beachtet. Die Folgen: Ballmer, „einer der großen Ahnen der Moderne“ (Widmer), und sein Werk wurden von der Schweizer Kunstgeschichte bis heute mehrheitlich verdrängt und vergessen. „Ballmers Spätwerk“, so ein Interpret, „ist denn auch von einer volltönenden Trauer umgeben“. Seine im Tessin gemalten Bilder beschwören denn auch eine gequälte Körperlichkeit, an der sich der lebenslange Kampf nach Anerkennung wie auch Lebensabschnitte innerer Vereinsamung und Augenblicke abgründiger Verzweiflung spiegeln. Wie war es möglich, daß der hervorragende Maler Ballmer, der alternierend auch Journalist, Privatgelehrter und Philosoph war, statt Künstlerkarriere zu machen, eine tragische Künstlerexistenz als einsamer Outsider fristen mußte?

Karl Ballmers Biographie weist einige Fixpunkte auf, die zum Verständnis seines Werkes von Bedeutung sind: Geboren 1891 in Aarau, verläßt er 1907 als 16jähriger nach einem Schüler-Lehrer-Eklat die Schule, um an der Kunstgewerbeschule Basel, später dann an der Kunstakademie München zu studieren. Im Alter von 20 Jahren,…


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