Magazin: Kulturpolitik , 2000

Marius Babias

Kommunikation als Ware

Berlins Kultursenator Radunski ist zurückgetreten

Im Wahlkampf zu den Berliner Abgeordnetenhauswahlen war Peter Radunski noch die Lokomotive der Berliner CDU. Keiner hatte es ihm zugetraut, doch Radunski vollbrachte in seiner vierjährigen Amtszeit das Kunststück, besonders die junge und traditionell CDU-feindliche Kulturszene der Hauptstadt für sich zu gewinnen und zu vereinnahmen. Auf einem Popkongress der Konrad-Adenauer-Stiftung wenige Wochen vor der Wahl, zu dem so illustre und erfolgreiche Jung unternehmer der Kultur geladen waren wie Ralf Riegnitz (Love Parade) und Klaus Biesenbach (Kunst-Werke Berlin), war er der eigentlich Star, der Hof hielt und die Huldigungen seiner Günstlinge entgegennahm. Schließlich war er es, der die Love Parade in Berlin hielt, als deren Macher mit Weggang drohten, weil der Senat die anfallenden Müllkosten nicht übernehmen wollte. Ohne Radunski wäre auch Kunst-Werke nicht zum Konzern der jungen Kunst aufgestiegen.

Während Radunksis Offerten an die Jugendkultur gerne angenommen wurden, gingen die verbliebenen Reste der Alternativ-Kultur auf Distanz. Wenige Tage vor Bekanntgabe seines Rücktritts besuchte Peter Radunski den Off-Kulturkomplex „Parabolica Spaces“ in der Schlegelstraße. Er wolle sich ein eigens Bild machen über die Kids of Survival im Subventionsdschungel. Hallo, Kultursenator. – Auch hallo. So ungefähr sei der Dialog verlaufen, versichern die Subventions-Junkies der Subkultur: „Also, es hat sich gar nicht erst gelohnt, den anzuschleimen“.

Radunski – ein Mann mit vielen Gesichtern und vielfältigen Interessen. Er war erfolgreicher CDU-Wahlkampforganisator und jahrelang der Berliner Abgesandte im Bonner Bundestag, wo er wichtige Lobbyarbeit für das marode West-Berlin leistete. Die Mitarbeit unter Walther Leisler Kiep im CDU-Schatzamt kam dem gewieften Taktiker…

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von Marius Babias

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