Essay , 2014

Kunstwerk vs. Konsumgut

von Roland Schappert

In „Das Sein und das Nichts“ vollzog Jean-Paul Sartre eine grundlegende Differenz zwischen unserer Wahrnehmung der Objekte, der Selbstwahrnehmung und unserer Wahrnehmung des Anderen als Subjekt. Von zentraler Bedeutung ist hierbei seine Beschreibung des Blickkontaktes: Im Blick des Anderen erfahre ich den Anderen nicht mehr als Objekt, sondern als Subjekt und dadurch ausgelöst mich selbst zumindest vorübergehend als Objekt. Dies führt nach Sartre zu einem wechselseitigen Kampf um Anerkennung, der meine Wahrnehmung des Anderen verändert, denn: „Nie können wir Augen, während sie uns ansehen, schön oder hässlich finden, ihre Farbe feststellen. Der Blick des Anderen verbirgt seine Augen, scheint vor sie zu treten.“1 Das Gewahrwerden der Blicke des Anderen verhindert demnach nicht nur, dass wir ihn bloß als Objekt beurteilen, sondern führt auch dazu, „dass der Andere, indem er seinen Objektcharakter verliert, uns selbst dazu verhilft oder zwingt, uns der eigenen Objektheit bewußt zu werden, uns selbst also durch den Blick des Anderen als Objekt konstituiert zu sehen“2.

Ich möchte der Frage nachgehen, ob Betrachter und Kunstwerk auch eine wechselseitige Kommunikation aufbauen, und zwar wechselseitig als Subjekt und Objekt. Falls dies funktionieren sollte, könnte dieses Verhältnis jeweils durch das Ereignis des „Erblickt-Werdens“ ausgelöst werden. Wenn wir dabei auch noch der problematischen Frage nachgehen wollen, ob Kunstwerke etwas anderes sind als gewöhnliche Konsumgüter, sofern man letzteren unterstellt, nur Objekte zu sein, so ist die Suche nach Subjekten als aktiv Sprechende bzw. Blickende unumgänglich. Ansonsten würden Bilder und Werke nur als leere Projektionsflächen in Stille betrachtet werden –…

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