Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Lettland

Kristaps Gelzis – Artificial Peace (Contemporary Landscape). Kurator: Astrida Rogule. Ort: Palazzo Albrizzi, Cannaregio 4118

Ich wohne in Riga, im Zentrum, auf einem ihrer höchsten Punkte. Die großen Fenster meiner Wohnung überblicken die Stadt, wie sie sich nach Osten, Süden und Westen erstreckt.“ So beginnt der „Essay On What Inspired My Work“, den Kristaps Gelzis (geb. 1962) seiner Ausstellung im lettischen Pavillon vorangestellt hat. Als Teil der Installation hängt dieser Essay im Eingangsbereich – sorgfältig in Druckbuchstaben auf Leinwand aufgemalt. Die Hauptarbeit besteht aus drei großen Leinwänden, Gelzis vor Ort mit leuchtenden, dünnflüssigen Acrylfarben bemalt hat. Im Licht von Schwarzlichtröhren erstrahlen diese abstrakten Bilder in intensiven Blau-, Türkis- und Rottönen.

In Gelzis Beitrag „Artificial Peace (Contemporary Landscape)“ geht es um nichts mehr und nichts weniger als um den Umgang mit Vergangenheit und Zukunft, um die tägliche Neuverortung im Fluss der Wünsche und Enttäuschungen, der Hoffnungen und Verluste sowie um die Bedeutungsverschiebungen, die verstreichende Zeit hervorrufen kann. „Time Machine“ nennt er diesen Mechanismus und als Beispiel für eine solche Zeitmaschine erzählt er, dass der Baugrund, auf dem sein Haus steht, vor Jahrhunderten als Exekutions-Hügel genutzt wurde und dass daneben der Friedhof der von der Gesellschaft Ausgestoßenen lag. Als das Gelände in seiner Kindheit bebaut wurde, seien öfters Knochen ausgegraben worden. Für ihn als Kind waren diese Knochen nichts weiter als neues Spielzeug. Die Stadt sei der statische Punkt, die Basis, auf der sich die Veränderungen der Natur und der Zeit vollzögen, und dieser besondere Platz sei seine persönliche „Zeitmaschine“, und vielleicht in Zukunft…

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von Susanne Boecker

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