Ausstellungen: München , 2004

CORNELIA GOCKEL

Lucy Orta: Body Architecture

Lothringer 13, München, 13.9. – 16.11.2003

Wenn das Ende der Welt naht, sollte man wenigstens gut dafür gerüstet sein. Die optimale Ausstattung für das Überleben bei Umweltkatastrophen, atomaren Verstrahlungen oder als Flüchtling hat die in Paris lebende Künstlerin Lucy Orta entworfen. In ihrer Einzelausstellung in der Halle Lothringer 13 präsentiert sie silbrig glänzende, wasserdichte Anzüge mit praktischen Taschen, Ösen und Reißverschlüssen, kompakte Igluzelte mit angrenzenden Schlafkabinen und federleichte Feldbetten, die sich notfalls auch in eine Bahre umwandeln lassen. Bei der Materialwahl und dem Design orientiert sich Lucy Orta an der Produktpalette der Freizeitindustrie für den sogenannten Outdoor- Bereich. Die Multifunktionalität der Ausstattung mit ihrer Vielzahl von aufgesetzten Taschen, abnehmbaren Kapuzen, einknöpfbarem Futter und integrierten Belüftungssystemen mutieren bei ihren Objekten zu Erscheinungen eines fragwürdigen Körperbilds. Da baumeln Ärmel in absurder Länge aus einem schlafsackartigen Gebilde von der Decke herab, werden Anoraks wie siamesische Zwillinge miteinander verknüpft oder Extremitäten zu einer mumienförmigen Gestalt verschnürt.

Ortas Objekte reflektieren die veränderten Lebensgewohnheiten der Menschen zum Ende des 20. Jahrhunderts. Mobilität, sei es eine freiwillige durch Reisen oder berufliche Veränderung, oder eine erzwungene durch Obdachlosigkeit oder Migration, prägt unsere Gesellschaft. Die großen Metropolen, wie Sao Paulo, Lagos, Tokio zeichnen ein anschauliches Bild von dieser Entwicklung. Menschen vom Land kommen in die Städte, um dort zu arbeiten, leben auf engstem Raum in notdürftigen Unterkünften, suchen Schutz in Behausungen aus Pappkartons oder in minimalisierten Schlafkabinen. Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft unterworfen, werden sie fernab ihrer Familien zu isolierten Einzelkämpfern. Ortas Objekte geben keine Antworten auf…

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von Cornelia Gockel

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