Titel: Kunst und Geld , 2000

Maria Fisahn: Geld(aus)Tausch

Mit „hausgemachter“ Währung agiert die Hamburger Künstlerin Maria Fisahn seit 1993. Ihre Geldscheine sind bedruckt und bestempelt, es sind mit bestimmten Farben bearbeitete Papiere und präparierte Stoffe: „Ich tausche meine ,Währungen‘ gegen DM und Dollar, gegen Tätigkeiten und Handlungen. Ich bezahle Fotografen, Textschreiber, Freunde und Fremde, entlohne Dienstleistungen und Hilfestellungen. Ich mache Geldgeschenke. Die Liste des Tauschens und Schenkens ist lang. … (Die Geldscheine) sind für mich ein Abgesang auf ein griffiges Zahlungsmittel, das Papiergeld, das bald in der üblichen Form nicht mehr existieren wird, da es von unsichtbarem oder virtuellem Geld ersetzt wird … In öffentlichen ,Sitzungen‘ hinter der Kasse des Geldtisches meditiere und kommuniziere ich mit den Betrachtern des Kunstgeldes über die Urformen des Geldes, seine Entstehungsgeschichte aus Opfern und Ritual … Während dieser Aktionen läuft zeitweilig eine Kassette mit der Stimme einer achtzigjährigen Frau. Sie betet die Litanei der Geldbegriffe, den Geld-Rap, den Abgesang herunter…“1

„Strafgeld“ oder „Wohngeld“ steht auf den Scheinen. Manche enthalten anstatt des Wasserzeichens oder Silberstreifens als Echtheitszertifikat eingedruckte Kichererbsen: Erbsengeld war früher das Geld der Armen. Mit dem Glücksschwein verbindet sich die umgangssprachliche Bezeichnung „Schweinegeld“ – in manchen Regionen war bei einer Hochzeit früher der Brautpreis in Form wohlgemästeter Schweine zu entrichten: Die glückliche Verheiratung einer Tochter bedeutete die Verringerung der Mitesser im eigenen Haushalt. Auf die Idee, eigenes Geld ganz legal wie Kunstwerke zu verkaufen, kam die Beuys-Schülerin zusammen mit ihrer Kollegin Susanne Klippel durch zwei justiziable Vorkommnisse in ihrem Bekanntenkreis. Ein Bekannter war am Flughafen mit falschen Dollar-Noten in der…

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