Ausstellungen: München · von Martin Blättner · S. 393
Ausstellungen: München , 1996

Martin Blättner

Marina Abramovic

Museum Villa Stuck, München, 8.2. – 8.4.1996

Der Tod und die schöne Schamanin. Nicht der Knochenmann, sondern ein von der Künstlerin gereinigtes Skelett liegt in den Armen von Marina Abramovic. Das Gerippe hebt und senkt sich im monotonen Atemrhythmus der Performerin, die auf dem Rücken liegt und dem Knochengerüst Leben einhauchen will. Diese bedeutungsschwangere Szene ist Teil der Video-Installation „Cleaning the Mirror“, die speziell für die Ausstellungstournee geschaffen wurde. Die akustische Untermalung der lautverstärkten Brustatmung ist nicht weniger wichtig als der optische Eindruck.

Die Anfänge der künstlerischen Installationen von Abramovic wurzeln in Klangenvironments, ihr Körper war 1971 in Belgrad noch nicht direkt beteiligt. Tonbänder und Metronome nahmen stellvertretend die Aufgaben für Ereignisse wahr, die an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Zeit oft auf sehr rigorose, später mehr dramatische bis schockierende Weise vorgeführt wurden. Daß der brutale Krach vom Maschinengewehr-Sperrfeuer („Sound-Space-War“ wurde erstmals 1972 in Belgrad inszeniert) auch in der heutigen Rekonstruktion seine Wirkung nicht verfehlt, beweist nicht zuletzt das grüne Informationsblatt im Museum Villa Stuck (das in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art, Oxford, die Ausstellung organisierte), das Besucher in Begleitung kleiner Kinder oder all die warnte, „die aus persönlichen oder gesundheitlichen Gründen Aufregung vermeiden müssen“, den Klangraum zu betreten. In der Tat taugen die Installationen und Performances von Abramovic nicht immer zur Nervenentspannung, sieht man einmal von den jünger datierten Mineral-Objekten ab, deren transitorischer Charakter auch dadurch belegt ist, daß diese Werke von allen Attributen eines Theaters der Grausamkeit gereinigt sind. So auch von allen akustischen…

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