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Ausstellungen: Eindhoven · von Frank-Alexander Hettig · S. 375 - 376
Ausstellungen: Eindhoven , 1992

Frank-Alexander Hettig
Marlene Dumas

»Miss Interpreted«
Van Abbemuseum, Eindhoven, 15.3. – 3.5.1992

Gleichzeitig mit dem Intellekt differenziert sich das Instrumentarium des Urteils: die Gefühle. Wie der Titel „Miss Interpreted“ dieser Übersichtsausstellung von Marlene Dumas suggeriert, gibt es keine deutlichen und eindeutigen Interpretationen für ihre Arbeiten und anscheinend sollte man es gar nicht versuchen, da man dann doch auf dem Holzweg wäre. Die Gemälde von Marlene Dumas sind ein Emulgat aus ihrer Erinnerung, Wahrnehmung, aus ihren Gefühlen, Wünschen und Urteilen, die mit denjenigen des Betrachters nicht übereinstimmen können.

Um dieses Gefühl der Erinnerung zu erzeugen, die wir in Phantasien, Träumen oder Wahnideen haben, transformiert Dumas ihre persönliche oder gefundene Umgebung in Archetypen. So sind ihre gemalten Babys nicht nur eine reine Registration der Äusserlichkeit, sondern beinhalten durch ihre Grösse auch einen Verfremdungseffekt. Diese Wirkung erzielt Dumas durch ihre Maltechnik. Durch den sensuellen Gebrauch von Farben und Linien knüpft sich assoziativ eine Skala von Gesamtwirkungen an. Auch Dumas beginnt nicht mit der Absicht, ein Ziel oder Ideal auszudrücken, sondern der Zufall, als Gegenteil eines deutlichen Konzeptes, und der Malprozess spielen eine grosse Rolle. Die Spontanität der Geste als Impuls kombiniert sie mit Abstand und Besinnung.

Ihre Serien variieren von Märchen über das kunsthistorische Thema des Modelles, bis hin zu Portraits von Familienmitgliedern, Bekannten oder Persönlichkeiten. Auffallend ist, dass aus ihren Gesichtern meistens offene Augen starren, ohne zu sehen.

Beinahe all diese Themen schweben meistens vor einem beinahe monochromen Hintergrund. Somit können sie als „Traumdeutung“ interpretiert werden: Die Konturen der Visionen sind festgelegt, die Handlung und der Hintergrund…



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von Frank-Alexander Hettig

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