Ausstellungen: Amsterdam · von Frank-Alexander Hettig · S. 375
Ausstellungen: Amsterdam , 1992

Frank-Alexander Hettig

Philippe Perrin

Galerie Torch, Amsterdam, 8.2. – 7.3.1992

Der artifizielle Starkult um seine Person, seine raffinierte Aufbereitung der eigenen Persönlichkeit und die Verrätselung durch Schein und Sein sind die Markenzeichen von Philippe Perrin. Nachdem er erst sein Rollenspiel als Boxer propagierte, ist nun Perrin alias „Starkiller“ an der Reihe. Um seinem Pseudo, der fiktiven Person, einen Realitätsgehalt zu verleihen, hat Perrin, diesem „Fantomas“, auch ein fingiertes Tagebuch erdichtet und veröffentlicht. Es sind einsame Entscheidungen in den Schriften, in der das Phantom sich selbst feiert und seine Rolle nun endgültig aktenkundig ist. Die Szenen, die zwischen Melancholie und dramatischer Selbstentblössung wechseln, bekommen als spannungsvolles Moment am Ende jedes Abschnittes einen willkürlichen Mord. Der Täter, Perrin alias „Starkiller“, verschwindet wieder unauffällig – hinterlässt jedoch Tod und Zerstörung: das ideale Szenario für einen billigen Action-B-Film.

In Perrins Geschichten und in seiner Kunst geht es um Kampf, Macht, Herrschaft und Heldentum mit den dazugehörigen Produkten, Trophäen und Siegerposen als Metapher vom „Kampf ums Dasein“.

Zwei Attribute aus seinen erfundenen Erzählungen sind wie Relikte in zwei Vitrinen aufgebahrt. Neben dem signierten Boxhandschuh befindet sich ein altes aufgeschlagenes Gesetzbuch, worin sich in dem ausgeschnittenen Raum eine Pistole befindet. Das Gesetz ist nur eine Hülle, worin sich die Kriminalität versteckt.

Der Inhalt wird durch Gestik und Rhetorik übertrumpft und seine Inszenierungen bestehen aus einem Potpourri aus Pose und Pathos und trotzdem können einige Arbeiten wie Film-Stills, deren Vorgeschichte und Nachspann man nicht kennt, intrigierend sein. „Brand new Cadillac“ zeigt die künstliche Art, in der heutzutage Verlangen und Ideale (Stars) ihre Form…

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