Ausstellungen: Hamburg , 2006

Hajo Schiff

Martin Conrad

»Gib mir eine Stelle im Wald an der kein Baum wächst«
Galerie Ruth Sachse, Hamburg, 6.5. – 9.6. 2006

Sowie zwei disparate Dinge in einem Raum sind, beginnt eine Geschichte. Das wissen die angesagten Maler der Leipziger Schule nur zu gut. Aber der Reiz des Anekdotischen lässt eine andere Geschichte, die der Malerei selbst, oft vergessen. Hinter die sichere Erkenntnis der Moderne, dass die Einheit des Bildes zerbrochen ist, führt kein Weg zurück. So verweigert auch der Hamburger Maler-Zeichner Martin Conrad in seinen Bildern einen eindeutigen Fokus. Auf seinen Leinwänden findet sich in transparenter Schichtung eine ganze Reihe von Referenzen an eigentlich sich ausschließende Malkonzepte vom Ausdrucksgestus über die Farbfeldmalerei bis zu Gegenstandsbezügen. Seine malerische Vorgehensweise erinnert an das Prinzip der Collage, aber die Überblendungen werden so gestaltet, dass am Ende dennoch der erste Eindruck eines Bildganzen bestehen bleibt.

Um sich diese Bilder zu erschließen, bedarf es über den schnellen Blick hinaus einer intelligent das vorhandene eigene Bildrepertoire mitdenkenden Schaulust. Erst dann werden die klug geschichteten, parallel verwendeten Codes zugänglich, mit denen Martin Conrad den begrenzten Raum dieser aus der Spannung zwischen Farbe und Linie lebenden Tafelbilder für die Betrachter aufbricht. Zuerst wird der Blick die grundlegenden Farbfelder bemerken, oft zwei Farbklänge mit einer Art Horizont dazwischen. Dann wird die Sehwanderung über die anderen Teile des Bildes gehen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Ein kantiges weißes Feld, eine amorphe gelbe Form, eine Frau mit Zeige- oder Abwehrgestus, eine Rose… die Blickbewegung wechselt von einer Stelle…

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