Ausstellungen: Wien · von Vitus H. Weh · S. 443
Ausstellungen: Wien , 1998

Vitus H. Weh

„Modelle“

Tom Burr, Christine & Irene Hohenbüchler, Florian Pumhösl, Andrea Zittel

Atelier im Augarten, Wien, 9.7. – 11.10.1998

Ein Phantom geht um in der Kunstwelt. Es ist der Begriff „Modell“. Ein Modell zu sein, scheint mittlerweile für alles zu passen: für Malerei, Kritik, Skulptur und Multimedia. Kaum verwunderlich, daß sich bei einer so intensiven Verwendung die Bedeutung etwas verunklärt. Zumindestens im Architekturbusiness weiß man noch, wozu Modelle dienen. Ihr Metier ist die (Ver-)Führung: Die Zukunft soll zum greifen nah erscheinen, die Phantasien der Machbarkeit und Verwirklichung sollen wuchern und potentielle Auftraggeber oder zaudernde Jurymitglieder vom schönen Schein betört werden. Bei den Traumwelten aber bleibt es nicht. Mag die ästhetische Rhetorik der Modelle auch noch so eigenwillig und fiktiv erscheinen, die Projekte dahinter drängen immer „into Real Life“; der Zweck eines Architekturmodells ist ein ganz konkreter Auftrag. Aus luftiger Kartonage werden dann beispielsweise Betondecken und aus putzigen Holzklötzchen Wohnsilos.

Die Ausstellung „Modelle“ im Atelier des Wiener Augartens, einer Dependance der Österreichischen Galerie Belvedere, hatte mit diesem geläufigen Modell-Begriff jedoch wenig gemein. Im Gegenteil: Keiner der speziell angefertigten Beiträge von Tom Burr (New York, Jg. 1963), Christine & Irene Hohenbüchler (Eichgraben/NÖ, Jg. 1964), Florian Pumhösl (Wien, Jg. 1971) und Andrea Zittel (New York, Jg. 1965) präsentierte einen funktionalen Vorschlag, der auf eine Verwirklichung zielen würde. Nirgends ein Plan, ein Maßstab oder ein anvisierter, konkreter Ort außerhalb der Modelle selbst. Andrea Zittels Wohnskulptur „A-Z Pit Bed“ mit himbeerrotem Teppich und Thermoskanne schien beispielsweise ganz zufrieden damit zu sein, den Ausstellungsbesuchern einen eigenwillig-atmosphärischen Sitz- und Liegeplatz…

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