Ausstellungen: Wien , 1998

Vitus H. Weh

Walter Pichler

„Prototypen 1966-69“

Generali Foundation, Wien, 15.5. – 9.8.1998

Seine große Retrospektive zu Anfang dieses Jahres im Stedelijk Museum Amsterdam hat das Bild von Walter Pichler (Jg. 1936) als kultisch-anthropologischem Bildhauer und sensitivem Zeichner einmal mehr gefestigt. Seine zumindestens in Österreich über alle Gruppierungen hinwegreichende Berühmtheit läßt sich jedoch nicht richtig verstehen, wenn man nur sein heutiges Werk betrachtet. Es ist das Verdienst der Wiener Generali Foundation, daß sie mit der Ausstellung „Pichler. Prototypen 1966-69“ hierfür die nötigen Recherchen und Restaurationen unternommen hat. Was dabei herauskam, glich einem Loop in der Zeitmaschine. Der Sprung setzte an und führt zurück in den Techno-Futurismus der sechziger Jahre (manchmal allerdings wußte man nicht: es könnten auch die Wachträume von heute sein). Zu sehen waren, neben etwa achtzig Zeichnungen, handgefertigte Einzelstücke aus damals so avantgardistischen Materialien wie Aluminium, PVC-Folie, Plexiglas und Polyester. Drei auratische, weiße Betten mit integriertem Fetischbereich glichen z.B. der Hilton-Lounge aus Kubriks „2001“, und den Sitzmöbeln mit dem sprechenden Namen „Galaxy 1“ glaubte man sofort, daß sie damals vor allem auf Flughäfen und Formel-1-Show zuhause waren. Die ersten Zweifel, ob wirklich alles so optimistisch gedacht war, konnten bei Pichlers Vorschlag für einen „Fingerspanner“ kommen; bei weiteren Körperapplikationen wie den Skulpturen „Kleiner Raum“ und „TV-Helm (tragbares Wohnzimmer)“ verdichteten sie sich. Beide sind über den Kopf zu stülpen. Der „Kleine Raum“ besitzt Anschlüsse für Klimaanlage, Mikrofon usw. und sieht dabei aus wie die Maske aus einem trashigen Insektenmovie. Der TV-Helm hingegen verfügt über einen eigenen Fernseher und mutiert seinen Träger in Richtung Hammerhai…

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