Ausstellungen: Stuttgart , 2013

Martin Blättner

Mythos Atelier

»Von Spitzweg bis Picasso, von Giacometti bis Naumann«

Staatsgalerie Stuttgart, 27.10.2012 – 3.3.2013

Zweifellos: Die Beziehung zwischen dem Künstler und seinem Atelier ist mehr als nur eine Zweckgemeinschaft. Ein solches Verhältnis hat fast schon symbiotischen Charakter, denn der Künstler nutzt das Atelier nicht nur als „Werkstatt“. Der „Arbeitsraum“ kann zugleich Rückzugsort oder Repräsentationsraum, visionärer Gegenentwurf zur Gesellschaft oder Netzwerk der Umgestaltung sein. Er verrät viel über die Absichten des Künstlers. Mit dieser Ausstellung bemüht die Staatsgalerie gar „die Atelierdarstellung als Ausdruck und Hinterfragung des Schöpfungsmythos“ – eine sicher werbewirksame, aber wohl auch überfällige Kunstschau, die den einen oder anderen Aspekt ins rechte Licht rückt.

Sie beginnt im 19.Jahrhundert etwa da, als die zunehmenden Außenseiterpositionen der Künstler sich auch in der Ärmlichkeit ihres Daseins niederschlugen. Carl Spitzwegs bekanntes Gemälde „Der Arme Poet“(1839)zeigt den Schriftsteller in einer kleinen Dachkammer stellvertretend als brotlosen Künstler – an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Der bewusste Rückzug in den kargen Atelierraum hatte Caspar David Friedrich vorgelebt – im Gegensatz zu anderen Kollegen bedurfte er keiner Dinge zur Inspiration im Atelier.

Chronologisch und mit jeweiligen Überschriften zu den verschiedenen Aspekten zeigt die Staatsgalerie in verschiedenen Kammern die weitere Entwicklung auf. Während die Auseinandersetzungen der Impressionisten mit der Salonmalerei noch den Positionen des 19.Jahrhunderts zugerechnet werden, stehen die Wohnateliers von „Brücke“ und „Blauer Reiter“ schon ganz im modernen, „antibürgerlichen Bekenntnis“. Kirchners dreidimensionales Raumensemble(„Zelt“, 1914/15) seine Skulpturen und Bilder verweisen auf Einflüsse aus Afrika und der Südsee im Atelier, Gabriele Münters Gemälde „Kandinsky und Erma Bossi am Tisch“(1921) belegen volkstümliches Kunsthandwerk…

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von Martin Blättner

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