Magazin: Museen & Institutionen · von Petra Unnützer · S. 464
Magazin: Museen & Institutionen , 2001

Petra Unnützer

National Museum of Australia, Canberra

In die Schlagzeilen der internationalen Architekturkritik geriet das australische Museum schon Monate bevor es überhaupt eröffnet wurde. Vor Ort hatte es natürlich eine zähe, politische Debatte um das erste nationale Museum Australiens und dessen Konzeption gegeben, die sich im Parlament über 20 Jahre hinzog. Nachdem der Bau beschlossene Sache war, gab es noch den üblichen Hickhack um den Architektenwettbewerb. Aber mit der brisanten Kontroverse, die das siegreiche Melbourner Architektenbüro Ashton, Ragatt & McDonnell (ARM) durch seine auch auf den Museumskomplex in Canberra angewandte Methode des ,Samplings‘ von Architekturzitaten, auslöste, hatte niemand gerechnet. Daniel Libeskind, Architekt des Jüdischen Museums in Berlin, fand heraus, dass ein Flügel des Museums, die Gallery of the First Australians, eine ziemlich genaue Kopie seines Berliner Museumsbaus ist. Weder war er informiert, noch auf seine Urheberschaft verwiesen worden. Er kündigte an, die Angelegenheit von den Gerichten klären zu lassen (siehe auch Der Architekt 05/2001).

Auch ohne die Plagiatsgeschichte verdient die intelligente Architektur eine gesonderte, sorgfältige Betrachtung. Nur soviel über den Charakter des Museums: Bereits wenn man das Museumsareal auf der Acton Penisula betritt und sich dem Gebäude nähert, wird man von dem farbigen postmodernen Architekturpuzzle angezogen. Ein breites, oranges Band windet sich in hohem Bogen, spiralförmig verschlungen auf das in einem Halbkreis angeordnete Gebäudepuzzle zu. Es ist Teil der Grundidee der Architektur, die von einem System solcher meist unsichtbarer Bänder durchzogen und umschlungen wird, um sich in der Eingangshalle zu einem Knoten zu verwickeln, von dem lediglich die Hülle als innere Wand- und…

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