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Gespräche mit Künstlern · von Jolanda Drexler · S. 208 - 217
Gespräche mit Künstlern , 2014

Philipp Lachenmann
Die Geschichten hinter den Bildern

Ein Gespräch von Jolanda Drexler

Philipp Lachenmann ist der Experte für ebenso ästhetische wie komplexe und wahrnehmungssensibilisierende Kunst. Seine hauptsächlich minimalistisch ausgerichteten Fotoarbeiten tendieren oft zur Abstraktion durch Experimentieren mit Unschärfe oder Dunkelheit. Ins Auge fällt ihre ungemein sinnliche, atmosphärische Wirkung. Zugleich wird beim Betrachter die Wahrnehmungsbereitschaft aktiviert und ein kognitiver Prozess in Gang gesetzt, um das Bildmotiv zu entschlüsseln.

Der hochreflektierte Künstler mit universellen Kenntnissen und Erfahrungen bezieht sich in seinen Arbeiten ausgiebig auf wichtige künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts ebenso wie auf die Film- und Literaturgeschichte.

***

Jolanda Drexler: Lass uns mit der unvermeidlichen Interviewerfrage beginnen: Du hast eine abwechslungsreiche Biographie vorzuweisen, unter anderem hast du Kunstgeschichte und Philosophie studiert. Was hat schließlich den Ausschlag gegeben, dass du selbst Künstler geworden bist?

PHILIPP LACHENMANN: Eigentlich habe ich immer schon fotografiert. Bei dem Maler und Bühnenbildner Henry Gowa, der als Jude unter den Nazis emigrieren musste, habe ich mir Grundkenntnisse der Malerei angeeignet, wie Leinwände grundieren und Farben vorbereiten.

Während deiner Ausbildung zum Architekturmodellbauer?

Es war danach. Ich habe wirklich eine eigenartige, krumme Biographie. Nach dem Abitur studierte ich zunächst Jura, mit ziemlichem Erfolg sogar. Doch das machte mich bald depressiv, und mir wurde klar, dass ich was mit den Händen machen müsse. So kam ich in eine extrem rigide vierjährige Lehre für Modellbau bei einem ehemaligen jugoslawischen Major. Darauf folgte die Phase mit Studium an der Filmhochschule München, zu dem sich bald Kunstgeschichte und Philosophie gesellten, weil es mich mehr reizte zu wissen, was eigentlich hinter der Kunst…


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