Titel: Obsessionen II · von Oliver Zybok · S. 98
Titel: Obsessionen II , 2014

Thomas Zipp.

Beyond the Superego

Ein Gespräch mit Oliver Zybok

Thomas Zipp, Professor an der UDK Berlin, ist in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ein medial vielseitig aktiver Künstler. Seine raumgreifenden installativen Inszenierungen, bestehend aus Malereien, Fotografien, skulpturalen Objekten, Collagen, Zeichnungen und Performances verdichten sich oft zu einem Psychogramm menschlicher Befindlichkeiten: Sie berichten von Sehnsüchten, Träumen, Ängsten, Depressionen, Sinnlichkeit, Rausch- und Wahnzuständen. Obsessive Grenzerfahrungen sind wesentlicher Bestandteile seiner Biografie, deren Erfahrungswerte in seine Arbeit einfließen. In diesem Zusammenhang wurde Zipp als „Psychonaut der Kunst“ bezeichnet, der dem Betrachter aufzeigt, wann, wie, wo und warum „Irrsinn zum Alltag“ werden kann. Dabei hebt der Künstler stets Parallelen zu Fakten aus Geschichte und Wissenschaft hervor, stellt Bezüge zu Religion, Politik und Gesellschaft her.

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Oliver Zybok: Psychische Extremzustände beschäftigten Dich im Kontext Deiner Arbeit bereits seit langer Zeit, und in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Norm und Abweichung. Stichworte wie Wahn, Hysterie und Schizophrenie sowie Veränderungen alltäglicher Bewusstseinszustände durch Drogen oder Sex sind stets Elemente Deiner künstlerischen Auseinandersetzungen. Erst im vergangenen Jahr hast Du im Begleitprogramm der 55. Biennale in Venedig mit der Ausstellung Comperative Investigation about the Disposition of the Width of a Circle im Palazzo Rossini ein installatives Werk in mehreren Räumen eingerichtet, die an eine psychiatrische Klinik erinnerten. Könntest Du kurz die wesentlichen Ideen zu dieser Ausstellung erläutern?

THOMAS ZIPP: Vielleicht ist es gar keine Ausstellung gewesen; für mich war die Schau eher ein Labor, ich fand es auch schade, dass sie wieder abgebaut werden musste. Ich hatte wirklich den Ansatz, und dort auch die Möglichkeiten geschaffen,…

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