Monografie · von Annelie Pohlen · S. 186
Monografie , 2014

Joseph Zehrer

„Schon gesehen‘ wird kein Hinderungsgrund sein…“

z. B. im Labor der ‚eingeschweißten‘ Bilder von Joseph Zehrer

von Annelie Pohlen

In den Gesetzmäßigkeiten der Kunstwelt eine Methode zu sehen, um in der wirklichen Welt standhalten zu können, ist Joseph Zehrers großartige Erfindung,“ so Karl Bruckmaier1 1992 zu einem Werk, das bis heute die von mancherlei Etiketten gesteuerte Kunstöffentlichkeit in Verwirrung stürzt. Und so, wie es eine im konventionellen Sinne durchgängige Handschrift verweigert, verblüfft und fasziniert. In jenem Jahr startet Zehrer mit dem Popkritiker, Autor und Hörspielregisseur in München eine Folge von Filmevents. Dass ein an der Akademie als Maler und Bildhauer ausgebildeter Künstler sich den sogenannten neuen Medien zuwendet, ist für sich genommen wenig verwunderlich. Doch Zehrers Auseinandersetzung mit dem Bild reicht tiefer als die gängige Fokussierung auf die Medienfrage. Sie ist bis heute Dreh- und Angelpunkt zur Erforschung einer Wirklichkeit, die den Kopf im Sekundentakt mit Bildern besetzt. Nachgerade beispielhaft hat Zehrer dies schon 1990 bei Christian Nagel in Köln und Bleich-Rossi in Graz mit dem für sein späteres Werk wegweisenden Titel „Sekunde“ vorgeführt. Eine zweiteilige „Blocksekunde“ ziert das Katalogcover. Zur Klärung dessen, was nicht zu sehen ist, dient die Bildunterschrift: „je 25 s/w- und Farbnegative von TV-Portraits eher unbekannter Personen. Belichtungszeit 1/25 sek.“

Was die wirkliche Welt ist, lässt sich nicht eben leicht erklären. Ein Teil davon ist sicher der Ort, an dem der 1954 im niederbayrischen Perbing geborene, nach kurzer Zeit in München seit 1994 in Köln ansässige Künstler dieser standzuhalten trachtet: der Kopf zur Erfindung einer für die…

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