Ausstellungen: Kassel · S. 411
Ausstellungen: Kassel , 1989

Michael Hübl

Reflexion 1798 – 1989

„Konzeptkunst und Fallbeil“

Museum Fridericianum, 26.2. -15.5.1989

Die „pathetische und blutige Quacksalberei“1 von 1789, wie Friedrich Nietzsche die Französische Revolution nannte, ist der 5. Republik einen eigenen Minister wert: Mit Blick auf den 200. Jahrestag dieses Ereignisses erhielt Jack Lang ein Portefeuille, dessen pompöse Bezeichnung beinahe vermuten läßt, man habe Anschluß an die Repräsentations-Gepflogenheiten des Sonnenkönigs gesucht. „Ministre de la Culture, de la Communication, des Grands Travaux et du Bicentenaire“ darf sich Lang in seiner jüngsten Amtszeit nennen.

Zu den unbestreitbaren Verdiensten, die sich der Minister schon vor dem Intermezzo der Cohabitation erwarb, gehört die konsequente, manchmal vielleicht zu massiv forcierte Förderung der zeitgenössischen Kunst in Frankreich. „La ruée vers l`art“, ein Slogan, der so viel wie „Kunstrausch“ bedeutet, wurde gleichsam zum Synonym dieses staatlich protegierten, auf Breitenwirkung angelegten Avantgardismus. Indes, so ganz ohne greifbaren Nutzen sollte der Aufschwung in die schöne neue Welt der Kunst nicht bleiben; stimulierend wirkte die Hoffnung, Frankreichs neue Kunst würde eines Tages verstärkt die Auslandsmärkte interessieren. Das war zu einer Zeit, als die Erfolgswellen der italienischen Transavanguardia noch nachrauschten und die Wogen deutschen Maler-Ruhms bis an die Küsten der USA brandeten, wohingegen Frankreichs Anteil am aktuellen Marktgeschehen damals etwa gleich geringfügig schien wie sein Beitrag zu den Diskussionen über den Fortgang der Kunst.

Internationale Kontakte wurden aufgebaut – nicht ohne Erfolg. So zeigte etwa der Kunstverein Ludwigsburg im Sommer 1987 Arbeiten von acht zeitgenössischen Künstlern aus Frankreich, darunter Daniel Buren, Philippe Favier, Ange Leccia und Sarkis. Knapp ein dreiviertel Jahr später bot der Heidelberger…

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