Ausstellungen: Nürnberg , 2005

Martin Blättner

Rémy Markowitsch „On Travel“

Kunsthalle Nürnberg, 3.2. – 3.4.2005

Reisende soll man nicht aufhalten, sagt man. Das ist auch nicht nötig. Die Desillusionierung stellt sich von selbst ein: „Ob in Indien oder in Amerika – der moderne Reisende ist weit weniger überrascht, als er sich eingestehen mag“ erkannte der französische Anthropologe und Ethnologe Claude Lévi-Strauss. Die Begegnung mit anderen Kulturen biete immer seltener die Gelegenheit, von der Fremdartigkeit überwältigt zu werden. Das ist nachzulesen im Zitatenschatz von Rémy Markowitsch, der so ziemlich alles zusammengetragen hat, was an visueller und schriftlicher Kultur über das Reisen zu sagen ist. Beeindruckend ist vor allem das komplexe Beziehungssystem, das er zum Thema des Fremden ausbreitet. Allein die surreal anmutenden Fototafeln hinterlassen einen suggestiven Eindruck, denn sie gaukeln exotische Landschaften vor, die es so gar nicht gibt.

Die großformatigen Bildwelten sind Ergebnisse fotografischer „Durchleuchtungen“ mit hoher Lichtkonzentration – im Effekt vergleichbar mit Doppel-Belichtungen oder Überblendungen – die Vorder- und Rückseite ausgewählter Bildbände vereinen oder zu verblüffend phantastischen Verfremdungen führen. Unterwasser-Welten verschmelzen so mit Luft- oder Landaufnahmen, Federvieh oder Steppentiere werden durch diesen Trick in eine artfremde Umgebung versetzt, Natur- und Kulturmotive verdichten sich auf diese Weise in transparente Scheinwirklichkeit. Einer Fata Morgana ähnlich bezaubern Luft- und Lichtspiegelungen, die Realitäten täuschend echt nachbilden.

So spielt der Ausstellungs-Titel „On Travel“ weniger auf das Reisen selbst, vielmehr auf Reflexionen und Erzählungen über das Reisen an. Der Schweizer Künstler Markowitsch (Jahrgang 1957) ist zugleich als Sprecher in einer Audio-Installation anwesend. Seine Zitate aus literarischen Erzählungen, Reiseberichten und wissenschaftlichen Aufzeichnungen sind in zwei…

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von Martin Blättner

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