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Ausstellungen: Hannover · S. 370 - 371
Ausstellungen: Hannover , 1990

Eva Schmidt
Richard Tuttle

Objekte und Zeichnungen

Sprengel-Museum, 5.6. – 19.8.1990

Als Lucy Lippard 1965 die erste Einzelausstellung Richard Tuttles in der Betty Parsons Gallery in New York rezensierte, konstatierte sie eine gewisse Unsicherheit der Form bei den damals ausgestellten Wand- und Bodenreliefs und findet dann eine Begründung darin, daß der Künstler erst vierundzwanzig Jahre alt sei. Als Unsicherheit wertet Lippard auch die Unentschiedenheit zwischen der Zwei- und Dreidimensionalität der ausgestellten Objekte. Aber die Bewunderung für die befremdlichen Formen überwiegt. Das Prinzip der „Unsicherheit“ hat Tuttle seitdem in seinen unausgewogenen, beinahe kindlichen Form- und Farbkonglomeraten zu seiner Stärke gemacht. Ebenso ist es immer noch unmöglich zu entscheiden, ob sie mehr zur Malerei oder zur Skulptur neigen. Ein Jahr später, 1966, inszeniert Lippard die Gruppenausstellung „Eccentric Abstraction“ in der New Yorker Fischbach Gallery, in der Tuttle zwar nicht eingeschlossen ist, die aber zu einer der Anfangsmarkierungen der sogenannten postminimalistischen Strömungen zählt. „Postminimalismus“ und „Antiform“: beide beziehen sich auf etwas Vorgängiges in ablehnender Weise und lassen offen, auf was sie selbst abzielen – unter diese Ordnungsbegriffe wird das Werk Tuttles mit anderen seit den späten sechziger Jahren klassifiziert.

Tuttle, der sowohl intuitiv als auch theoretisch, bildnerisch als auch diskursiv vorgeht, ist ein Künstler, der die künstlerischen und existentiellen Voraussetzungen von Bildentstehung immer mitdenkt. Im Spiegelsaal der Neuen Galerie in Graz hatte Tuttle 1987 schon die wie eine Untersuchung angelegte Ausstellung „Das Barocke und die Farbe“ inszeniert, dabei den Anschein einer oberflächlichen Abhandlung abwehrend: „…Ich schlage vor, eine Ausstellung mit dem Tabu zu machen, um den Barock…


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