Monografie , 2000

STEPHAN BERG

Schatten an der Wand oder:
Die Apparaturen der Kunst

ZU DEN ARBEITEN VON FRITZ BALTHAUS

In seinem 1980 erschienenen Roman „Rituale“ beschreibt Cees Nooteboom die Begegnung des Helden mit der Frau seines Lebens folgendermaßen: „Er war Zita zum ersten Mal auf einer Fotoausstellung begegnet, wo sie vor ihrem eigenen Foto stand. Er hatte das Foto gesehen, bevor er sie wahrnahm, und er wußte nicht, wer wen verleugnete, die Frau auf dem Foto, die Frau, die dort stand, oder umgekehrt (…) Jedenfalls: Inni begriff sofort: wenn er die Frau auf dem Foto kennenlernen wollte, mußte er die Frau ansprechen, die davor stand“.1

In variierender Analogie zu diesem Zitat könnte man sagen, daß Fritz Balthaus stets begriffen hat, daß man, um die Kunst wirklich kennenzulernen, sich mit ihrer medialen Erzeugungspraxis beschäftigen muß. Balthaus, seit über zwanzig Jahren in Berlin lebend, ist einer, der die Kunst von innen nach außen und von außen nach innen wendet, sie beklopft, befühlt, behorcht, bedenkt und sie insistierend auf ihre Bedingungen und Möglichkeiten befragt. Kein genialischer, seinem instinktiven Schaffensrausch folgender Macher begegnet uns hier, sondern ein reflektierender, nachdenklicher Analytiker, der dennoch alles andere als staubtrockene Theorieseminare produziert, sondern ebenso präzise, wie leichthändig ironische Versuchsanordnungen über den Stand der Kunst.

Statt auf der Ebene der Phänomene arbeitet Balthaus dabei auf der Ebene der Strukturen, denen die Erkenntnis zugrunde liegt, daß es kein Bild gibt ohne ein entsprechendes Medium, das es erzeugt. Wobei Medium sowohl die formalen Bedingungen des Kunstwerks meint, wie auch die Wahrnehmung, durch die der Betrachter das jeweilige Werk aktiviert….

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