Gespräche mit Künstlern , 2000

THOMAS HUBER

»Ich bin der Hausmeister des Bildraums«

EIN GESPRÄCH VON ALEXANDER BRAUN

Thomas Huber, 1955 in Zürich geboren, gehört einer Generation von Künstlern (Thomas Schütte, Stephan Balkenhol, Katharina Fritsch u.a.) an, die – von ihrer Ausbildung her eher konzeptuell geprägt – den Weg zurück zu den traditionellen Ausdrucksformen Bild und Skulptur gefunden haben. Thomas Huber vertritt mit seinen Bildern, die zum ersten Mal zu Beginn der 80er Jahre Aufmerksamkeit erregten, eine Gegenposition zum damals aufkeimenden Neo-Expressionismus. Hubers Gemälde repräsentieren nicht die Subjektivität des sich-die-Welt-ermalenden Individuums, sondern sind schlichtweg Programmbilder: Weltmodelle mit Hilfe des Mediums Bild. Ihre Bezugssysteme sind folgerichtig weit gefasst, sie rekrutieren auf die Geschichte des Bildes im ganzen. Das findet in den Bildtiteln der ersten Werkgruppen einen deutlichen Niederschlag: „Rede über die Sintflut“ (1982), „Rede zur Schöpfung“ (1982) oder auch „Die Urgeschichte der Bilder“ (1987). Neben dieser universellen Programmatik finden zunehmend die Produktionsbedingungen, das persönliche Umfeld des Künstlers, sowie die immanenten Abläufe im Bild selbst Beachtung: „Der Besuch im Atelier“ (1984), „Das Hochzeitsfest“ (1985-86), „Das Bilderlager“ (1988), „Ideale Bildtemperatur“ (1994). Schließlich werden auch gesamtgesellschaftliche Kontexte in Form von idealen Stadtlandschaften und entsprechenden Diskursen über diverse Funktionsträger einer Gesellschaft thematisiert: „Die Bibliothek“ (1988), „Die Post“ (1990), „Die Bank“ (1991/93), „Bauvorhaben“ (1996), „Schauplatz“ (1999).

Schon sehr früh ist sich Thomas Huber darüber bewusst, dass er allein mit Hilfe des Mediums Bild den Ansprüchen der Kunstbetrachtung am Ende des 20. Jahrhunderts nicht gerecht werden kann. So beginnt er damit, feine narrative Beziehungsgeflechte um die Bildproduktion zu spinnen, um das rein Bildhafte in Sprache und…

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von Alexander Braun

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