Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 134
Titel: Kunst und Geld , 2000

GUSTAV ADOLF SCHRÖDER:

»Schatzhäuser für Münzen und Kunst«

JÜRGEN RAAP IM GESPRÄCH MIT DEM VORSTANDSVORSITZENDEN DER STADTSPARKASSE KÖLN

Jürgen Raap: Herr Schröder, Geld ist in der Volkswirtschaftslehre und in der Geldtheorie als Rechnungseinheit und Wertaufbewahrungsmittel definiert. Es hat aber im Alltag, in der Kultur- und Religionsgeschichte auch außer-ökonomische Bedeutungen. Der Umgang mit Geld ist aus Sicht der Ökonomen im Alltag auch nicht immer „vernünftig“. Inwieweit muss ein Bankier oder Betriebswirt in seiner alltäglichen Arbeit prinzipiell auch diese kulturellen Bedeutungen reflektieren, die auf eine Mystifizierung des Geldes hier, eine Dämonisierung dort verweisen? Inwieweit spielt dies z.B. konkret in der Imagepolitik der Banken eine Rolle?

Gustav Adolf Schröder: Die Banken haben in der Geschichte stets eine Sonderrolle gespielt, und diese Rolle war immer mit dem Gegensatz zwischen einer „Dämonisierung“ und einer „Mystifizierung“ des Geldes verbunden. Nach biblischer Überlieferung wurden die Geldwechsler aus dem Tempel verjagt. In der Renaissance hingegen gab es unter den Bankiers und Händlern herausragende Persönlichkeiten, etwa die Medici, die Pitti oder Strozzi. Sie bauten Palazzi als Symbole einer Einheit von Geld und Kunst, als Schatzhäuser für Münzen und Gemälde. Indem sie diese Palazzi als bauliche Kunstwerke schufen und im Inneren mit Kunst ausstatteten, stellten sie heraus, dass Geld nicht als etwas Profanes anzusehen war, sondern sie haben es auf diese Weise mystifiziert. Eine Dämonisierung findet aber auch heute noch statt, denn die Macht des Geldes steht ja aktuell sehr stark in der Diskussion. Sie fragen, was dies für die Imagepolitik der Banken bedeutet: Wir stellen uns als verantwortungsbewusst dar, d.h. wir kümmern uns…

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