Ausstellungen: Aachen · von Renate Puvogel · S. 348
Ausstellungen: Aachen , 2011

Renate Puvogel

Simon Denny

»Cruise Line«

Neuer Aachener Kunstverein, 20.3. – 1.5.2011

In Medienmärkten entführen gemeinhin die Testbilder auf den zur Auswahl aufgereihten Bildschirmen in die farbenreiche, mit pflanzlichem und tierischem Leben erfüllte Meerestiefe. Wie vor einem Aquarium verliert sich der Blick des Kunden zunächst in die wundersame Unterwasserwelt. Das Thema dieses Oberflächenschoners ist klug gewählt, ist es doch neutral, für jeden verständlich, unverfänglich und verführerisch zugleich und es bedarf keiner Worte. Das ruhige Gleiten der Fische im Wasser wirkt zeitlos, wodurch die Aufmerksamkeit des potentiellen Käufers erst allmählich von dem bewegten Bildraum hin zum Abtasten und Austesten der Oberfläche gelenkt wird. Technische Details wie Abmessungen des Gehäuses, Farben und Schärfe des Bildes geraten in den Fokus.

Simon Denny lotet dieses spannungsreiche Verhältnis zwischen Oberfläche und Raum, zwischen Hülle und Kern, Form und Inhalt aus. Er bedient sich des Motivs Aquarium als einem geeigneten Terrain, anhand dessen er medienorientierte Unterhaltungskulturen samt ihren Verbreitungssystemen sowie das von ihnen wiederum abhängige Konsumverhalten der Verbraucher analysiert. Aus den unterschiedlichsten, vorwiegend gebrauchten, abgegriffenen Materialien baut Denny kuriose Gehäuse und bestückt sie mit Meeresmalereien, mit Stellagen, Gestängen und allerlei Krimskrams; ganze Monitore pfercht er in größere Kisten, dreht die „Mattscheibe“ gegen die Wand, verschließt das Ganze notdürftig mit welliger Plastikfolie und stellt es als Mixtum aus Aquarium, Monitor und Skulptur auf einen Sockel. Flache Kästen hingegen ähneln gerahmten Bildern mit Meeresansichten, bei denen Vorder- und Rückseiten vertauscht sein können.

In der Galerie Daniel Buchholz ließ Denny unter dem Titel „Deep Sea Vaudeo“ eine Kompanie von Fernsehgeräten geordnet nach ihrer Tiefe vom…

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